Zeitung Heute : Digitale Assistenten

GREGOR WILDERMANN

Wann immer technische Neuerungen in Amerika bereits zum alltäglichen Bild gehören, ist in Europa meistens noch ein enormer Nachholbedarf festzustellen.Dies gilt sicherlich auch für die sogenannten PDAs, hinter deren Abkürzung so etwas wie die digitale Lösung der Unordnung oder Zettelsammlung steht.Die batteriegetriebenen Kleinstcomputer im Westentaschenformat nennen sich verheißungsvoll Personal Digital Assistant und können unter anderem Adressen verwalten, Wechselkurse ausrechnen oder an Termine erinnern, wobei die Dateneingabe entweder per Stift oder am PC mit nachfolgendem Datenaustausch geschieht.

War in den vergangenen Jahren die Zahl und Kapazität der PDA-Geräte noch recht übersichtlich, so haben nun aufgrund der Markterfolge von 3Com oder Casio auch andere Hersteller ihre Version eines digitalen Notitzbuches verwirklicht und den Wettbewerb enorm in Gang gebracht.Die Palm Pilots sind im Anmarsch!

Auf der diesjährigen Cebit-Messe in Hannover haben viele Hersteller ihre Geräte nun auch einer deutschen Kundschaft zum ersten Mal vorgeführt, wobei die internationalen Verkaufszahlen in diesem Kleinsegment der Computerbranche Mut geben.Allein zwischen 1997 und 1998 stiegen die verkauften Stückzahlen von zweieinhalb auf knapp vier Millionen PDAs, wobei der Hersteller 3Com (www.3com.de) trotz rückläufigem Anteil weltweit mit 40,1 Prozent (in Amerika 72,3 Prozent) die meisten Geräte im Umlauf hat.

Ihr Palmpilot-Modell ist neben dem gescheiterten Newton von Apple die eigentliche Mutter aller digitalen Assistenten und gerade das umfangreiche Softwareangebot für Entwickler wie auch User hat den `Piloten¥ über alle Gesellschaftsschichten enorm beliebt gemacht.

Wer die Bibel in Einzelkapiteln lesen will, eine U-Bahn-Karte von London braucht oder auch nur klassische Telespiele wie Tetris haben will, findet auf unzähligen Internetseite den passenden und oft auch kostenlosen Download.Mit wachsenden Soft- und Hardwareangebot stieg aber auch der Bedarf an Speicher und Fähigkeiten der älteren Palm-Modelle, die im letzten Jahr durch den schlanker destalteten PalmIII eine maßvolle Erneuerung erfuhren.

Nun stellt Palm Computing die Modelle PalmIIIX und PalmV vor, um im immer härter werdenden Konkurrenzkampf bestehen zu können.Während der PalmIIIX (er kostet circa 799 Mark und ist über Importfirmen bereits lieferbar) mit 4MB Speicher, einem besseren Display und Microsoft Outlook-Schnittstelle nur ein innerliches Update erfuhr, kann der mit 11 mm Tiefe extrem flach designte PalmV - er kostet etwa 999 Mark - schon den Luxusansprüchen genügen.Gerade sein silbernes Design, ein rückwärtig aufsteckbares Modem und der neuartige wiederaufladbare Lithium-Ionen-Akku machen den PalmV zum Hauptkonkurrenten von Geräten anderer Hersteller mit vergleichbaren Features.

Dort sind der Hewlet-Packard HP Jornada 420 (circa 1000 Mark) und der Compaq Aero 2100 (noch kein Preis bekannt) die schärfsten Konkurrenzprodukte, wobei gerade der Farbbildschirm für mehr Popularität von PDAs sorgen soll.Beide Handhelds sind mit bis zu 16MB Arbeitsspeicher, Farbbildschirmen mit 256 Farben und dem Microsoft Betriebssystem Windows CE ausgerüstet.

Erst kürzlich prognostizierte die Marktforschungsfirma International Data Corporation für Windows CE-Geräte bis zum Jahr 2002 einen Markanteil von 52 Prozent, was Markführer 3Com sicherlich beunruhigen müßte.Auch die sehr interessante Funktionen, wie Sprachausgabe von E-Mails oder bis zu zwei Stunden Diktataufnahmen, sollen in ersten Updates für Aero 2100 und Jornada 420 schon bald lieferbar sein.

Allein deswegen darf mit Spannung abgewartet werden, welche Leistungsmerkmale der neue und Mitte dieses Jahres in Amerika verkaufte Palm VII haben wird, der dort dann für unter 800 Dollar die Adressen des nächsten Jahrtausend speichert.

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