Zeitung Heute : Digitale Briefmarke: Die Marke zum Runterladen

Matthias Sdun

Die Deutsche Post AG führt zum Monatsende die digitale Briefmarke ein. Mit Hilfe der "Stampit"-Software können Kunden Postwertzeichen aus dem Internet beziehen und diese selbst auf Briefe und andere Sendungen drucken. Seit April hat das Unternehmen das System getestet und für gut befunden. Ganz billig ist das Frankieren über den PC allerdings nicht: Das Programm kostet zunächst 83,50 Euro (163,31 Mark). Nach einem halben Jahr muss der Kunde nochmals in die Tasche greifen. Dann werden monatliche Nutzungsgebühren in Höhe von 2,30 Euro (4,50 Mark) fällig.

Ob sich das Programm somit für den Home-User rentiert, der nur gelegentlich ein Brieflein an seine Liebsten verschickt, darf deshalb bezweifelt werden. Die Post betont, dass die digitale Marke haupsächlich auf mittelständische Unternehmen und Großkunden zugeschnitten sei, die vorher oftmals viel Geld für Frankiermaschinen aufwenden mussten.

Wer seine Postwertzeichen künftig selbst produzieren möchte, benötigt einen PC mit Internetzugang und einen Tintenstrahl- oder Laserdrucker. Wer jedoch mit Apple Macs arbeitet oder Linux als Betriebssystem verwendet, kommt auch künftig nicht in den Genuss der digitalen Briefmarke. "Stampit" läuft nämlich nur unter Windows (ab Version 95), andere Varianten der Software sind nicht geplant. Um die Frankierung per PC nutzen zu können, muss sich der Kunde nach der Installation des Programms zunächst beim Postserver anmelden und dem Unternehmen eine Einzugsermächtigung erteilen. Im sogenannten Postage Point - eine Art virtuelle Portokasse im Netz - richtet sich der Kunde nun ein Konto mit einem Gegenwert zwischen 30 und 200 Euro ein. Das Geld wird per Lastschrift vom Bank-Konto abgebucht. Es handelt sich also - ähnlich wie bei Handy-Karten - um ein Prepaid-System, denn erst im Anschluss erfolgt die Freischaltung. Der Kunde hat von nun an die Lizenz zum Drucken. Allerdings wird jede benötigte Marke individuell vom Postserver erzeugt. Wann immer der Kunde also ein Postwertzeichen benötigt, verlangt die Software Auskunft über Briefmarkenwert, Absender und Empfänger. Die Daten übermittelt das Programm via Internet an den Postage Point.

Gleichzeitig wird dort der Gegenwert der Marke vom Guthaben abgebucht. Der Post-Rechner verschlüsselt die empfangenen Informationen nun zu einem sogenannten Barcode. Dieser wird in Form einer kleinen quadratischen Matrix aus Linien und Punkten an den User zurückgeschickt. Der druckt diese elektronische Briefmarke nun einfach auf einen Briefumschlag. Das Endprodukt ist somit ein länglicher Ausdruck, auf dem neben dem kleinen Quadrat weitere Angaben und das klassische Posthorn erscheinen. Weil rund achtzig Prozent aller Standardbriefe in einem Fensterumschlag verschickt werden, lässt sich die Marke auch direkt in ein Dokument einfügen. Diese Zusatzfunktion ist nur in Microsoft Word möglich, andere Schreibprogramme werden nicht unterstützt. Der Platzmangel im Sichtfenster ist auch der Grund dafür, dass die elektronische Briefmarke mit 16 mal 16 Milimetern so winzig ausfällt.

Bei umfangreichen Empfängerangaben kann es aber dennoch zu Platzproblemen kommen. Die Post hat daher zugesagt, das Porto für falsch bedruckte oder nicht-verschickte Sendungen zu erstatten. Dazu werden der Software zehn frankierte Rückumschläge beigelegt, mit denen der Kunde seine Fehldrucke an den Geschäftskundenservice senden kann.

Völlig neu ist das elektronische Frankiersystem der Deutschen Post allerdings nicht. Das Vorbild kommt aus den USA. Die Firma E-Stamp hatte dort ein ähnliches System entwickelt, das im August 1999 die Zulassung vom U.S. Postal Service erhielt. Die Deutsche Post AG hatte daraufhin 1,25 Prozent an dem Start-Up-Unternehmen erworben und deren Technologie als Grundlage für die Entwicklung von Stampit genutzt. Im November 2000 hatte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik der Post grünes Licht für das elektronische Frankiersystem gegeben. "Die eingesetzten kryptographischen Maßnahmen sind jeweils für den vorgesehen Zweck geeignet und können entscheidend zur Sicherheit und zur logischen Funktionalität beitragen", hieß es damals in nüchternem Behördendeutsch. Im April war dann die Testphase mit 48 Pilotkunden angelaufen.

Die Tester aus der anvisierten Zielgruppe waren zufrieden mit Stampit - so auch Kornelia Klepper, die im Raum Frankfurt einen Messeservice betreibt. Die Geschäftsfrau betont, dass es anfangs noch einige Probleme beim Verbindungsaufbau zum Post-Server gegeben habe. Die seien aber schnell behoben worden. Wirkliche Schwierigkeiten hatte sie nur in der örtlichen Postfiliale: "Als ich einen selbstfrankierten Brief am Schalter abgab, verlangte die Angestellte Geld fürs Porto von mir. Sie hatte von der technischen Neuerung noch nichts mitbekommen."

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