Zeitung Heute : Digitale Fotografie: Entwicklungshilfe

Kurt Sagatz

Im Wettbewerb des Immer-Schneller-Höher-Weiter kannten die rund 40 Hersteller von Digital-Fotoapparaten bislang nur eine Sprache: die der Pixel. 1,3 Millionen, 2,1 Millionen und nun 3,4 Millionen Bildpunkte, das war bislang die Messlatte, mit der in dieser Boombranche Rekorde aufgestellt wurden. Doch inzwischen steht der Kampf nach der immer besseren Auflösung offenbar der weiteren Verbreitung der Digitalfotografie eher im Weg, wurden dadurch doch die Geräte immer teurer. Wer in der Werbung ständig eingeredet bekommt, dass nur die neueste Digitalkamera zu Preisen jenseits von 2000 Mark in der Lage ist, qualitativ mit den herkömmlichen Fotoapparaten konkurrieren zu können, ist angesichts der schnellen Innovationszyklen nicht zu Spontankäufen bereit.

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IFA 2001 - Technik, Tipps und Trends Auf der IFA will nun Fujifilm, immerhin Mitglied im Club der fünf wichtigsten Digital-Apparatehersteller, eine vorsichtige Abkehr von den bisherigen Leistungskriterien erreichen. Nicht die höchste Pixelzahl soll entscheiden, sondern welches Gerät das beste Bild liefert, und zwar zu einem "fairen Preis", wie Fujifilm-Geschäftsführer Helmut Rupsch meinte.

Das bislang gigantische Wachstum in der Boombranche Digitalfotografie droht abzuflachen. Und das, obwohl erst vier Prozent der Deutschen digital fotografieren und somit noch ein Riesenmarkt zu erobern ist. Aber bei Preisen für über 2000 Mark winken bei Marktuntersuchungen 95 Prozent der Befragten ab. Anders sähe die Situation bei Geräten für unter 1000 Mark aus. In diesem Fall spielt jeder Dritte mit den Gedanken, sich eine Digitalkamera anzuschaffen.

In den Wettbewerb um das untere Preissegment geht Fujifilm auf der IFA gleich mit drei neuen Kameras. Bei den beiden FinePix A 101 und A 201 handelt es sich um besonders kleine und handliche Geräte mit fester Brennweite. Das 1,3 Megapixel-Gerät soll 550 Mark, die 2 Megapixel-Kamera 650 Mark kosten. Die nächst höhere Stufe ist die FinePix 2600. Sie verfügt zudem über einen echten 3-fach-Zoom. Alle Geräte nutzen die schnelle USB-Schnittstelle zum Datenaustausch und sind so konzipiert, dass damit jedermann zu guten Ergebnissen gelangt.

Doch der Preis ist nicht das einzige Handikap. Es gilt derzeit noch als reichlich kompliziert, von digitalen Bildern echte Abzüge zu bekommen, denn das Heraufladen der Daten zum Online-Belichtungszentrum setzt einen Internet-Zugang voraus und dauert überdies lange. Digitale Fotocenter und Printstationen im Foto-Fachhandel sollen hier Abhilfe schaffen. Einfach die Speicherkarte, eine CD oder eine Diskette in eine der Stationen, von denen es von Fujifilm in Deutschland bereits über 3000 gibt, einschieben, Bilder auswählen und die Ausdrucke auf hochwertigem Fotopapier gleich mitnehmen. Damit das schnelle Digitalfoto auch ganz schnell per Post verschickt werden kann, denn nicht alle Großeltern haben daheim einen Computer, um sich E-Mail-Fotos anzusehen.

Während Fujifilm und deren Konkurrenz daran interessiert sind, den Geräteabsatz hoch zu halten und um Services rund um das Digitalfoto zu erweitern, hat das Berliner Unternehmen Jamba ganz andere Ziele. Es will den Mobile Commerce beleben und glaubt, dafür nun in einer weiteren Kooperation mit Pixelnet die "Killerapplikation" gefunden zu haben. Der Handy-Fotoservice habe das Potenzial, ähnlich erfolgreich zu sein wie die SMS, meint Jamba-Gründer Marc Samwer. Nicht mehr nur kurze Textbotschaften, sondern richtige Bilder mal eben auf das Handy-Display zu senden, sei der logische zweite Schritt nach dem Versenden von Logos und Klingeltönen.

Der neuen Jamba-Service steht allen registrierten Nutzern offen. Die eigenen Bilder können in einem persönlichen Fotoalbum auf dem Jamba-Server Freunden und Bekannten gezeigt werden. Entweder über ein WAP-Handy, einen Palm-Computer oder künftig via UMTS. Wer keine Digitalkamera besitzt, kann seine Filmpatrone bei Photo Porst entwickeln lassen. Dort werden dann neben den Papierbildern digitale Kopien für das virtuelle Fotoalbum hergestellt. Und diese Bilder lassen sich dann wiederum verkleinert auf Handys senden. Wer braucht dann noch Papierabzüge?

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