Zeitung Heute : "Digitalgemälde": Pixel-Museum zwischen Hoffen und Bangen

Kurt Sagatz

Das Computer- und Videospielemuseum ist ein Unikat. Nicht nur in Berlin, sondern auch in Deutschland und im europäischen Ausland sucht man vergebens nach einer Einrichtung, die der Kultur der Pixel und der schnelllebigen Bildschirm-Unterhaltung in dieser Form gewidmet ist. In Berlin existiert das Museum in der Rungestraße in Mitte seit dreieinhalb Jahren. Oder besser gesagt: Es vegitierte dahin in mehreren, kleinen Räumen, die die Vielfalt der Exponate, die sich um Spieleautomaten wie Pong über Atari, Commodore, Sega, Sony, Nintendo bis zu den unzähligen PC-Spielen gesammelt haben, nicht fassen konnten.

Seit Ende vergangenen Jahres muss das Museum sogar ganz ohne Ausstellungsräume auskommen, denn mangels Finanzierung blieb dem Trägerverein nichts anderes übrig, als die Räume zu kündigen. Seither besteht das Museum aus einer Art Wanderausstellung, zuletzt zu sehen in Nürnberg auf der Spielwarenmesse, wie Museumsleiter Andreas Lange erzählt.

Computerspiele und Videokonsolen fristen ähnlich wie die Gebrauchskunst des Designs ein Nischendasein. Im Vergleich zu den etablierten Museen fehlte ihnen bislang die nötige Reputation, um öffentliche und private Geldgeber zu überzeugen. Dass die Pixelwelten genauso wert sind, für die Nachwelt erhalten zu werden, ist längst nicht einhellige Meinung.

Oder vielleicht doch. Was der Verein seit der Gründung des Museums 1997 nicht schaffte - das Land Berlin oder große Firmen als Sponsoren zu gewinnen - könnte angesichts des drohenden endgültigen Endes nun doch gelingen. So viel Unterstützung wie jetzt habe er zuvor nie bekommen, sagt Lange und freut sich vor allem darüber, dass Berlins Kultursenator Christoph Stölzl signalisiert hat, dass ihm die Zukunft dieses Museums nicht gleichgültig ist.

Dass dabei die Gespräche mit Paderborn über die Ansiedlung des Museums in unmittelbarer Nähe zum Heinz-Nixdorf-Museum eine Rolle spielen, muss für die Betreiber nicht unbedingt von Nachteil sein. Immerhin werden jetzt auch in Berlin nach Langes Einschätzung alle Möglichkeiten ausgelotet, die einmalige Einrichtung doch noch zu erhalten.

Kommt es zur Rettung der Einrichtung und zu einem dauerhaften Verbleiben in Berlin, dann allerdings unter anderen Bedingungen als denen in der Rungestraße. Um aus dem Provisorium der Vergangenheit eine feste Institution zu machen, bedarf es mehr als ehrenamtlicher Mitarbeiter. Gebraucht wird vielmehr ein professionelles Konzept. Und das könnte die Berliner Ausstellungsagentur X:hibit beisteuern, die auch auf der Expo in Hannover tätig war, hofft Lange. Auch wenn von den Trägern des Museums über eine Verlagerung des Standorts nach Paderborn nachgedacht wird, die Präferenzen liegen bei Berlin. Hierher kommen die meisten Touristen, nirgends sonst leben so viele Menschen in einem Ballungsraum wie hier, meint Lange, der auch aus der Erfahrung der letzten Jahre spricht. So habe es wohl keine Berliner Schule gegeben, die nicht mindestens einmal das Museum besucht hätte.

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