Zeitung Heute : "digitelle": Erste Multimedia-Messe für Frauen startet in Hamburg

Isabell Merchan

"Heute bewegen sich weltweit über 200 Millionen Menschen im Internet. Jeden Tag schreiben sie drei Milliarden E-Mails. Jede Stunde tauchen rund 65 000 neue Seiten im Netz auf." Imposante Zahlen, die Michael Lübbehusen, Geschäftsführer der MAZ Hamburg GmbH, aufzählt und damit zugleich dem Schlagwort vom Wachstumsmarkt Internet Gestalt gibt. Für diesen Wachstumsmarkt insbesondere Frauen zu begeistern, ist das Ziel von "digitelle", der bundesweit ersten Multimedia-Messe für Frauen. Veranstaltet wird die Messe, zu der parallel ein Kongress stattfindet, von MAZ Hamburg und dem Hamburger Senatsamt für die Gleichstellung. Die "digitelle" findet am 7. und 8. Juli unter dem Motto "Frauen machen Neue Medien" im Hamburger Technologiezentrum channel harburg statt.

Besucherinnen können sich bei rund 130 Organisationen, Firmen und Einzelanbieterinnen über Neuigkeiten der IT-Branche informieren. Neben "klassischen" Messeständen werden auch Vorträge etwa über die Veränderungen der Arbeitswelt durch die Neuen Medien geboten. Außerdem gibt es Internetschnupperkurse und Praxiswerk-stätten. Hier können sich Interessierte etwa ansehen, wie ein Computer von innen aussieht oder wie HTML-Dokumente programmiert werden. Praxisnähe zeichnet die "digitelle" insgesamt aus. So werden insbesondere berufliche Chancen der IT-Branche für Frauen aufgezeigt und über Einstieg, Aus- und Fortbildung informiert. Geboten wird auch eine Jobbörse.

Zielgruppe der "digitelle" sind Internet-Einsteigerinnen, aber auch Fachfrauen der Branche und Existenzgründerinnen. Fachfrauen par exellence sind die amerikanische Journalistin und Startup-Beraterin Nicole Kidd und die Marketing-Beraterin Lucie Newcomb. Kidd wird auf der "digitelle" über das Thema "Frauen erobern die Neuen Medien" referieren. Die "digitelle" wolle Multimedia-Frauen ein Forum geben, um "in den Dialog miteinander zu treten", sagt Krista Sager (GAL), Hamburgs Gleichstellungssenatorin und "digitelle"-Schirmfrau. Zugleich wolle man die Kompetenz dieser Fachfrauen sichtbar machen und ermutigen, "sich an die Informations-Technologien heranzutrauen", so Sager.

Mut scheint nötig zu sein, denn Fachfrauen wie Kidd oder Newcomb sind keineswegs reräsentativ für den Umgang von Frauen mit den Neuen Medien. Karin Flothmann vom Senatsamt für die Gleichstellung stellt fest: "Der Zugang von Frauen zum Internet ist noch nicht in dem Maße da wie bei Männern." Inzwischen nutzen zwar neben 9,7 Millionen Männern rund 6 Millionen Frauen das Internet. Ihr Anteil hat sich im letzten halben Jahr um 76 Prozent erhöht, der der Männern um 46 Prozent.

Insgesamt hat sich die Situation von Frauen im Multimedia-Bereich verschlechtert, auch wenn 14,5 Prozent der Führungskräfte im Multimedia-Bereich Frauen sind und sich ihr Anteil an Top-Positionen gegenüber 1997 verdoppelt hat. Zum Vergleich: In Großunternehmen der "old economy" liegt der Frauenanteil im Management bei 5 und in mittelständischen Unternehmen bei 8 Prozent. Im gleichen Zeitraum ist jedoch die Zahl der weiblichen Multimediabeschäftigten drastisch gesunken, von 40 Prozent 1997 auf nun 24,4 Prozent.

Davon arbeiten rund 66 Prozent im traditionell Frauen zugeschriebenen kreativen Bereich, vor allem als Mediengestalterinnen für Digital- und Printmedien. In "männlichen" Berufen wie Informatiker oder Programmierer sind Frauen nach wie vor eine Minderheit - und werden es auf absehbare Zeit wohl auch bleiben. So wollen etwa in Hamburg nur vier von insgesamt 62 neuen Azubis Fachinformatikerin werden. Hamburgs Schulen verzeichnen sogar einen sinkenden Anteil von Frauen in Informatik-Leistungskursen: Während 1993 12 Prozent Mädchen Informatik als Leistungskurs wählten, liegt ihr Anteil heute bei 8,3 Prozent. Auf diese Situation will die "digitelle" reagieren und Frauen eben für neue Arbeitsfelder im IT-Bereich gewinnen. Schließlich werden Michael Lübbehusen zufolge in Europa im Jahr 2004 rund eine Million IT-Fachkräfte fehlen.

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