DISKO-POP The Rapture : Wir sind wieder wer

Ist das schon ein Comeback? Oder nur eine Form von Gelassenheit, die man in unserer schnelllebigen Epoche Rocklegenden zugesteht, aber nicht einer noch vergleichsweise jungen Band wie The Rapture? Auf jeden Fall haben sich die New Yorker aufreizend viel Zeit gelassen für ihr viertes Album „In the Grace of your Love“: Fünf Jahre sind eine Ewigkeit im Pop, wo die Trends vom letzten Herbst längst auf der digitalen Müllkippe gelandet sind.

Auch The Rapture hatte man fast vergessen, denn fast zehn Jahre ist es her, dass sie ihren großen Moment hatten: Mit der fantastischen Single „House Of Jealous Lovers“ und dem kurz darauf erschienenen Album „Echoes“ setzten sie sich an die Spitze des New-York-Hypes, der seit dem epochalen Debütalbum der Strokes eine Erneuerung der Rockmusik versprach. Luke Jenner (Mitte) und seine Kollegen spielten einen sowohl der hedonistischen Disco-Ära wie dem depressiven Post-Punk verschriebenen Stilhybriden, dessen Erkennungsmerkmal das Geklöppel der Kuhglocke wurde. Viel mehr kam nicht. Aber jetzt. Wieder baut sich das Album um eine herausragende Single auf: „How Deep Is Your Love“, nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Bee-Gees-Song, transportiert die Euphorie des Chicago House und bricht sie mit dem ewigen Daseinsblues des Indie-Pop. Neu ist nicht nur eine kompositorische Tiefe, die keinen einzigen Song qualitativ abfallen lässt, sondern auch ein cooles Wissen um die aufregendsten Momente des Nachtlebens: War „Echoes“ ein aus der Hüfte geschossenes Polaroid, ein genialer Zufallstreffer, so ist „In the Grace of your Love“ das perfekt arrangierte Tableau, bis in den letzten Winkel sorgfältig ausgeleuchtet.Jörg Wunder

Lido, Do 10.5., 21 Uhr, 22 €

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