Zeitung Heute : Diskussion um Angela Merkels Schopf (Kommentar)

Joachim Huber

Bei Hannelore und Helmut Kohl war diese Frage gar keine Frage. Helmut Kohl trug sein Haupthaar stets auf den Scheitel hin geschnitten, Hannelore Kohl präferierte über die Jahre hinweg jenen Look, der Damenfrisuren zu einer kunstvollen Mischung aus Fahrradhelm und Turmbau ondulierte. Das war Bonner Standard. Unspektakulär, etwas langweilig. Jetzt stellte die "Bild"-Zeitung eine ihrer Fragen aus der Mitte des Volkes: "Braucht Frau Merkel eine neue Frisur?" Bisher hatten wir uns dieses Thema allenfalls heimlich vorgelegt, weil uns diese Frage unpolitisch, beleidigend und frauenfeindlich erschien, zudem eine Frage, die unangenehm an eine Wessi-an-Ossi-Frage erinnert. Zum Glück für uns PC-Klemmis nimmt sich "Bild" dieser Frage an. Drei Star-Friseure legen der CDU-Generalsekretärin vier Star-Schnitte vor.

Angela Merkel sah in der Mehrzahl der Montagen verkleidet aus, als hätte die 45-Jährige Perücken übergestülpt bekommen. Allenfalls noch bei der Kurzhaarfrisur von Gerhard Meir kann statt auf Inkognito oder Frau Merkel ihrer Schwester mit Gewissheit auf die Kandidatin für den CDU-Vorsitz getippt werden. Sehr merkwürdig: die ganze Gilde will die dunkelhaarige Merkel heller tönen. Es geht streng Richtung Blond. Da können wir nur von abraten. Drei Argumente: Hannelore Kohl war und ist blond. Politik ist derzeit die Sehnsucht nach Authentizität. Eine Merkel ohne ihre Rund-um-Sorglos-Frisur mit eingebautem Pony wäre verdächtig, weil unecht. Drittens, hierzulande werden immer noch mehr Köpfe als Frisuren gewählt. Bei Hannelore Kohl würden wir eine Ausnahme machen und einen Besuch bei Udo Walz empfehlen. Der hat seinen Salon in Berlin, nicht weit von Kohls Wohnsitz. "Durchstufen und kürzen", rät der Fachmann in "Bild". Wir auch.

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