DISKUSSION UND LESUNG„Das weiße Meer“ : Von Küste zu Küste

Friederike Höll

Der Raum rund um das weiße Meer ist gekennzeichnet durch ein Aufeinandertreffen verschiedener Nationen mit unterschiedlichen Lebensarten und Landschaftsformen. Nördlich beheimatete Europäer sehen in ihm nicht selten einen Ort der Sehnsucht – „Das Mittelmeer als ewige Fantasie“. Unter diesem Aspekt finden sich am Wochenende zum zweiten Mal im Literarischen Colloquium Berlin (LCB) sechs Autorinnen und Autoren aus dem Mittelmeerraum zusammen: Lindita Arapi und Fatos Lubonja (Albanien), Mauro Covacich (Italien), Kenka Lekovich (Kroatien) sowie Durs Grünbein und Sibylle Lewitscharoff (Deutschland) treten in einen Austausch über die Idee einer Mittelmeerkultur als verbindende Einheit.

Das literarische Aufeinandertreffen ist gerade im Hinblick auf die gegenwärtigen wirtschaftlichen und politischen Krisen in Europa interessant. Gibt es überhaupt noch eine gemeinsame Sehnsucht in Europa? Die in Italien lebende Journalistin Kenka Lekovich umkreist die Thematik in ihrem Roman „Der Zug hält nicht in Ugovizza“, indem sie zwölf Geschichten von Reisenden erzählt, die im selben Zug auf der Strecke zwischen Udine und Bruck unterwegs sind. Fatos Lubonja gilt als einer der einflußreichsten unabhängigen Publizisten Albaniens, er wird aus seinem Essay „Was ist das Europäische an den Literaturen Europas“ vorlesen. Die Veranstaltungsreihe will jedoch keineswegs einer überhöhten Ideologie der Einheit hinterherjagen, sondern Antworten auf die Frage finden, welche Bedeutung dem Erbe der Kultur der Mittelmeerländer heute auf transnationaler Ebene noch zukommt.

Friederike Höll

Literarisches Colloquium Berlin, Fr 10.5., 19 Uhr, Sa 11.5., 11 Uhr, Eintritt frei

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