Diversity Slam beim Tagesspiegel : Wenn Wissen zur Bühnenshow wird

Beim ersten Diversity Slam Deutschlands präsentieren vier Teams ihre Erkenntnisse und Ideen.

Fritz Zimmermann
Vier Teams, ein Ziel. Zehn Minuten Zeit haben die Bewerber am Donnerstag, ihre Idee für mehr Vielfalt zu präsentieren. Wer am überzeugendsten ist, entscheidet das Publikum.
Vier Teams, ein Ziel. Zehn Minuten Zeit haben die Bewerber am Donnerstag, ihre Idee für mehr Vielfalt zu präsentieren. Wer am...Foto: Fotolia

Mehr als 30 Organisationen haben sich beworben, vier Entwürfe schafften es in die Endauswahl. Beim Diversity Slam, der am Donnerstag bei der DIVERSITY 2013 im Tagesspiegel-Verlagshaus stattfindet, haben Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Praxis zehn Minuten Zeit, ihre Idee, ihr Best-Practice-Beispiel oder ihr Studienergebnis zum Thema vorzustellen. Die Deutsche Bahn unterstützt den Slam. Bei der Präsentation sind alle Hilfsmittel erlaubt: Der perfekte Vortrag ist unterhaltsam und leicht verständlich – denn das Publikum bildet die Jury und entscheidet am Ende, wer der beste Slammer ist.

PROUT@WORK

Für ein erfolgreiches Diversity Management müssen sich Unternehmen intensiver mit der Geschlechterfrage befassen. Dafür wirbt PrOut@work, eine loser Verbund von lesbischen, schwulen, bi- und transsexuellen (LGBT) Mitarbeiternetzwerken. „Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass sexuelle Identität auch für Unternehmen ein wichtiges Thema ist“, sagt Albert Kehrer, ehrenamtlicher Vorstand des Verbunds. 2006 tat er sein schwul-lesbisches Mitarbeiternetzwerk bei IBM zusammen mit dem eines Kollegen der Deutschen Bank und gründete PrOut@work. Zur Zeit sind die Organisatoren dabei, eine gleichnamige Stiftung zu gründen. Sie bieten Hilfestellung für beide Seiten: Unternehmen und LGBT-Netzwerke. Den Mitarbeitern soll beim „Self-Empowerment“ geholfen werden, man stehe in Kontakt mit Mitarbeiternetzwerken von mehr als 30 Unternehmen. Den Firmen soll gezeigt werden, dass sich die Auseinandersetzung mit Fragen der sexuellen Identität lohnt: „Für Unternehmen bringt das einen wirtschaftlichen Mehrwert“, sagt Kehrer, der offene Umgang mit der Frage der sexuellen Identität führe zu einem breiteren Pool an Talenten, weniger Krankheitstagen und einer höheren Motivation der Mitarbeiter. Dadurch steige für Unternehmen schließlich die Produktivität. Das soll auch der PoOut@Woek-Beitrag beim Slam zeigen.

SUCCESS ACROSS

„Wenn man die Vielfalt aus unserer Firma herausnehmen würde, dann bleibt nichts mehr übrig“, sagt Nina Frauenfeld, Gründerin von Success Across. Die Firma bietet ein Netzwerk aus 28 Menschen auf der ganzen Welt: Eine Ansammlung von 16 Frauen und 12 Männern, zwischen 26 und 72 Jahren alt, 18 Nationalitäten, fünf Religionen, homo- und heterosexuellen Menschen und ein Mitarbeiter mit Behinderung. All diese Menschen beraten internationale Kunden in Sachen Vielfalt. „Unsere Idee ist es, auf Vielfalt aufbauend Vielfalt zu verkaufen“, sagt Frauenfeld. Seit 2010 geht es dabei immer um konkrete Herausforderungen – zum Beispiel: Eine deutsche Firma übernimmt ein Werk in Rumänien und benötigt Hilfe dabei, die verschiedenen Kulturen zu verbinden. Dabei agiere Success Across „nicht von oben herab und von außen herein“, sondern erarbeite gemeinsam mit den Unternehmen eine Lösung. Alle Mitglieder arbeiten Vollzeit in anderen Berufen, vor allem in der Wirtschaft: Für Success Across sind sie nur im Einsatz, wenn in ihrer Region ein Auftrag ansteht. „Das sind alles Menschen, die an Vielfalt glauben.“

Die Diversity-Konferenz besuchte Nina Frauenfeld im vergangenen Jahr als Gast. Zeigen möchte sie jetzt die Geschichten von Kunden, die aufgrund von Diversity-Beratungen nachhaltige Unternehmenserfolge vorweisen können. Dabei sollen auch für das Publikum Handlungsmöglichkeiten sichtbar werden, mit denen die eigene Belegschaft von den Vorzügen von mehr Vielfalt überzeugt werden kann.

DEUTSCHER JURISTINNENBUND

Die Mitglieder des Deutschen Juristinnenbundes (Djb) besuchen im Rahmen ihres Projekts „Aktionärinnen fordern Gleichberechtigung“ seit 2009 jährlich die Hauptversammlungen von mehr als 70 börsennotierten Unternehmen, darunter alle Dax-Konzerne, und befragen Vorstand und Aufsichtsrat nach dem aktuellem Frauenanteil und Maßnahmen für mehr Frauen in Führungspositionen. Dafür nutzen sie das Auskunftsrechts von Aktionärinnen: Bisher engagierten sich 60 Aktionärinnen und Aktionäre und 160 ehrenamtliche Teilnehmerinnen, die mit einer Vollmacht Zugang erhielten. Mehr als 300 Versammlungen haben sie so besucht und die immer gleichen Fragen gestellt. Sie wurden niedergebuht, angefeindet und erhielten erschreckende Antworten, sagen sie. Ihre Ergebnisse veröffentlichen sie jedes Jahr in einer Studie – und in diesem Jahr beim Diversity Slam.

„Wir fanden es spannend, ein so ernstes Thema in einem modernen, etwas anderem Licht präsentieren zu können“, sagt Manuela Schauerhammer, die für den Djb auftreten wird. „Uns geht es darum, eine Sensibilisierung und eine noch größere Öffentlichkeit für das Thema Gleichstellung zu erreichen.“ Nicht mit trockenen Zahlen, sondern „mit einem Schmunzeln“ – Humor brauche man auch, um mit den zum Teil unfassbaren Antworten der Unternehmen umzugehen.

ZECH DOMBROWSKY DESIGN

Der Diversity Slam 2013 wird der zweite große Auftritt von Wilma Schildhorn, einer „taffen Endsechzigerin aus dem Norden“. Die ehemalige Krankenschwester ist eine Kunstfigur, erfunden und gespielt von Uta Zech, Schauspielerin und Inhaberin einer Kommunikationsagentur aus Berlin. Zech ist gleichzeitig zweite Vorsitzende des Business and Professional Women Club Berlin, auf dessen Veranstaltung zum Equal Pay Day im März dieses Jahres sich Wilma Schildhorn zum ersten Mal zeigte. „Es hat mich in den Fingern gejuckt, zu gucken, ob die Figur auch woanders funktioniert“, begründet Zech ihre Bewerbung beim Diversity Slam. Zentrales Thema ihres Beitrags sollen die Geschlechterrollen sein – ihnen soll der Garaus gemacht werden. Sie selbst habe bei ihren Auftritten im Improvisationstheater die Erfahrung gemacht, dass es auch darum gehe, herzlich über die Dinge zu lachen und auf unterhaltsame Weise mit Problemen umzugehen, sagt die Erfinderin. „Wilma will ein neues Bewusstsein schaffen, aber eben nicht mit erhobenem Zeigefinger. Das ist die bessere Art und Weise, Dinge in Bewegung zu setzen, als in Opfer und Täter einzuteilen.“ Vielmehr brauche es eine gemeinsame Lust an der Veränderung. Uta Zech hat diese Lust, Wilma Schildhorn sowieso.

Über den Ablauf des Slams und seine Siegerinnen und Sieger berichten wir in der Freitagsausgabe. Die Veranstaltung ist nur Konferenzteilnehmern zugänglich.

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