Zeitung Heute : „Doch!“ – „Nein!“

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Ein bisschen Phantasie schadet ja nie: Vielleicht kommt so mancher Beobachter nun auf die Idee, dass Deutschland gar keine TV-Duelle von Kanzler Schröder und Herausforderer Stoiber mehr braucht. Denn die Lektüre des erste Printduells in der „Bild am Sonntag“ regt quasi die Sendung im Kopf an. Inhaltlich ist kaum etwas Berichtenswertes zu erwähnen, aber wie sich Schröder und Stoiber verbal gegenseitig sticheln, manchmal sogar sehr heftige Attacken reiten, das ist schon der Rede wert. Deshalb im Folgenden die wichtigsten Auszüge aus dem ersten Teil des Duells, dem am heutigen Montag der zweite in der „Bild“ folgt:

   BamS: Herr Bundeskanzler, um welche Eigenschaften beneiden Sie Edmund Stoiber?

Schröder: Ich beneide ihn um nichts; denn ich bin zum Neid völlig unfähig.

BamS: Herr Ministerpräsident, was hat Gerhard Schröder Ihnen voraus?

Stoiber: Er ist ein bisschen ein Schauspieler

Schröder: Immerhin: Ich bin Kanzler.

(…)

BamS: Herr Stoiber, bei den persönlichen Werten kommt der Kanzler in den Umfragen sehr gut weg. Er ist vor allem bei den Frauen sehr beliebt. Was hat der Kanzler, was Sie nicht haben?

Stoiber: Ich weiß nicht, ob er bei Frauen besser ankommt. Ich glaube, dass Frauen genauso ihre Entscheidungen nach Kompetenz messen. Sie entscheiden danach, wen sie für kompetenter in der Lösung der uns bedrängenden Fragen halten.

(…)

BamS: Hat der Bundeskanzler… alles falsch gemacht?

Stoiber: Ich messe nur die Bilanz, und ich stelle einfach fest, dass der Bundeskanzler sein zentrales und großes Versprechen, die Arbeitslosigkeit… auf unter 3,5 Millionen zu drücken, nicht eingehalten hat… Beim Abbau der Arbeitslosigkeit sind wir international in Europa Schlusslicht…

Schröder: Ich muss eines richtig stellen: Die Arbeitslosigkeit in Spanien ist deutlich höher als in Deutschland. Das Gleiche trifft für Frankreich zu. Also: Bei den großen europäischen Ländern… haben Sie die Zahlen nicht richtig im Kopf…

Stoiber: Doch! Ich habe ja nicht von den Zahlen, sondern vom Abbau der Arbeitslosigkeit gesprochen…

Schröder: Darf ich ausreden? Es kann ja nachgeprüft werden…

Stoiber: Herr Schröder, Sie müssen mir bitte zuhören. Ich habe nicht von den absoluten Zahlen der Arbeitslosigkeit gesprochen…

Schröder: Von welchen dann?

Stoiber: …sondern, ich habe davon gesprochen, dass wir beim Abbau der Arbeitslosigkeit nach der Statistik der Europäischen Kommission an letzter Stelle liegen…

BamS: Herr Bundeskanzler, sehen Sie schwarz für Deutschlands Zukunft, wenn Edmund Stoiber Kanzler werden sollte?

Schröder: Nein, das tue ich nicht. Ich bin dagegen, dass er das wird… Die deutsche Wirtschaft ist auch auf den Märkten der Welt stabil genug, um auch Herrn Stoiber zu überstehen…

BamS: Herr Bundeskanzler, gibt es… Dinge, von denen Sie sagen: Da führt der… Stoiber die Wähler… aufs Glatteis?

Schröder: Sicher gibt es die, zum Beispiel bei der Entwicklung des Staatshaushaltes und der Sozialversicherungshaushalte. Es ist die Rede von dem, was Sie großspurig drei Mal unter 40 nennen. Wenn man das finanzieren wollte, würde das bedeuten, dass Bund, Länder und Gemeinden zusammen 170 Milliarden Euro fehlten… Insofern sind das Luftblasen… Ihnen fehlt jegliche seriöse Finanzierung… Hier zeigt sich, dass weder von ökonomischer noch von finanzpolitischer Kompetenz die Rede sein kann.

Stoiber: Nein! Wenn wir schon eine Diskussion führen, müssen Sie jedem die Möglichkeit geben, darauf zu antworten… Ich muss ihn (den Kanzler, Anm. d. Red.) berichtigen. Wir wollen zum einen Lohnzusatzkosten unter 40 Prozent… Zweitens wollen wir den Spitzensteuersatz auf unter 40 Prozent senken. Der dritte Punkt ärgert mich… am meisten, weil ich Ihnen damit ein Stück Unredlichkeit vorwerfe. 40 Prozent Staatsquote bedeutet gegenwärtig: Jede zweite Mark… wird durch öffentliche Kassen umverteilt. Das ist ein unerträglicher Zustand. Jetzt polemisieren Sie gegen die Veränderung der Staatsquote, die notwendig ist. Sie haben selbst… diese Staatsquote… auf 40 Prozent senken wollen… All das, was Sie gestern oder vorgestern vertreten haben, haben Sie über Bord geschmissen… Wir brauchen eine Senkung der Staatsquote…

Schröder: Aber das ist doch gar kein Streitgegenstand… Nur ist es schlicht so… Wenn Sie Ihre Forderungen… realisieren, hat das genau die Folgen, die ich gekennzeichnet habe. Tsp

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