Zeitung Heute : Doktor oder Diplom?

Der Tagesspiegel

Studieren lohnt sich immer, sagen die Experten übereinstimmend. Die Aussichten auf beruflichen Erfolg steigen mit der Qualifikation, erklärt auch Bert Rürup, Professor für Finanzwissenschaften an der Technischen Universität Darmstadt. Dass dies jedoch nur die halbe Wahrheit sein kann, zeigt der Blick auf den Arbeitsmarkt. Auch Ingenieure werden arbeitslos, auch Mediziner finden keine Jobs, auch Anwälte müssen um Mandanten kämpfen und manchen unterbezahlten Auftrag annehmen.

Was ist passiert? Haben die Arbeitslosen das falsche Fach studiert, haben sich die schlecht bezahlten Akademiker nicht richtig qualifiziert? „Es kommt weniger darauf an, was man studiert, als darauf, wie man studiert", sagt Angelika Fuchs von der Personal- und Unternehmensberatung Westerwelle in Hamburg. Das richtige Studium sei dasjenige, zu dem man sich berufen fühle. Und dann den Horizont erweitern mit Sprachen, EDV, Auslandsaufenthalten. Solche Zusatzqualifikationen werden heute schon fast als selbstverständlich vorausgesetzt.

Wo ist das Ende der Spirale erreicht? Müssen die Topkräfte der Zukunft mehrere Sprachen flüssig beherrschen, in verschiedenen Ländern studiert haben, am Computer perfekt sein und zudem das ganze Programm in der Rekordzeit von vier Jahren erledigt haben? Lohnt es sich, dem Diplom noch ein Aufbaustudium oder vielleicht eine Promotion folgen zu lassen?

„Das hängt von den Karrierewünschen ab", sagt Fuchs, die „Product-Engineering" an der Fachhochschule Furtwangen studiert hat. Danach arbeitete sie fünf Jahre lang bei „Accenture", einer großen Firma für Unternehmensberatung in München. Anschließend ging sie nach Hamburg, um dort die Beratungsfirma mit aufzubauen, bei der sie derzeit Mitglied der Geschäftsführung ist.

Wer Vorstandsvorsitzender eines großen Unternehmens werden will, für den kann sich – so Fuchs – eine Promotion nach dem Universitätsstudium auszahlen. Mehr praxisorientierte Interessenten sollten dagegen eher an die Fachhochschule gehen oder ein Bachelor-Studium beginnen. Um die eigenen Stärken und Schwächen richtig beurteilen zu können, lohnt sich ein gründlicher Eignungstest. „Nicht unbedingt beim Arbeitsamt", sagt Fuchs. Die Beraterin hält mehr von privaten Einrichtungen wie dem Müncher Geva-Institut. pja

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben