Doktortitel oder kein Doktortitel : Uni Bayreuth will selbst urteilen

Eine Kommission der Uni Bayreuth will Guttenbergs Dissertation lediglich auf korrekte Zitierweise prüfen. Während die Opposition den Rücktritt Guttenbergs fordert, hält Merkel zum Verteidigungsminister.

Tilman Warnecke

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) bleibt auch nach dem Eingeständnis „gravierender Fehler“ in seiner Doktorarbeit unter Beschuss. Der Präsident der Universität Bayreuth, Rüdiger Bormann, stellte am Dienstag klar, dass die Hochschule über Guttenbergs Titel zu entscheiden hat. Dessen Bitte um Aberkennung erleichtere manches, erspare aber keine wissenschaftliche Aufarbeitung der Fälschungsvorwürfe. Diese werde ohne Zeitdruck erfolgen. Der Dekan der juristischen Fakultät, Markus Möstl, kündigte an, die Kommission werde allein prüfen, „ob korrekt zitiert wurde“, nicht aber nach Gründen für die Fehler suchen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte, dass der Minister auf den Titel verzichtet. Die Opposition fordert aber inzwischen den Rücktritt Guttenbergs. SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier sagte, es sei „dreist“ und „keine Kleinigkeit“, wie der CSU-Politiker die Öffentlichkeit über seine Qualifikation getäuscht habe. Am Mittwoch diskutiert der Bundestag in einer Fragestunde und einer Aktuellen Stunde über den Fall. Guttenberg will selbst das Wort ergreifen. Führende Unionspolitiker verteidigten den Verteidigungsminister. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) antwortete auf die Frage nach dem Vorbild, das Guttenberg für Schüler und Studenten gebe: „Man wird nicht Minister, weil man promoviert ist, sondern Kompetenz hat im Politischen.“ Die Unionsfraktion erteilte dem CSU-Politiker nach den Worten ihres Geschäftsführers Peter Altmaier (CDU) „uneingeschränkte Unterstützung der politischen Arbeit“. Kritisch äußerte sich hingegen Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU). Guttenbergs Erklärung am vorigen Freitag sei „kein überzeugender Beitrag zur Problembewältigung“ gewesen. Lammert will den Vorwurf prüfen, Guttenberg habe eine Arbeit der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestags unerlaubt in seine Doktorarbeit eingebaut. Guttenbergs Berliner Verlag kündigte an, die Dissertation „in der vorliegenden Form“ dauerhaft aus dem Programm zu streichen. Auch Schadensersatzansprüche schloss man nicht aus.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

4 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben