Zeitung Heute : DOKU-ESSAY

Bestiaire.

Stephanie Grimm

Beim Zeichenkurs blicken Schüler konzentriert auf ein ausgestopftes Reh. Ähnlich fokussiert versucht ein Tierpräparator, einen auszustopfenden Vogel realistisch aussehen zu lassen. In einem kanadischen Safaripark dagegen bleibt in der Schwebe, wer wen beobachtet: die Menschen die eingezäunten Wildtiere – oder umgekehrt? Beide Seiten wirken gelangweilt. Regisseur Denis Côté ist ein zu Kontemplation anregender Ausschnitt aus der Realität gelungen. Durch die Wahl ungewöhnlicher Bildausschnitte und Perspektiven hinterfragt er auf nüchterne, sehr subjektive Weise, wie wir auf Tiere blicken – und schaut auch recht erbarmungslos auf die Spezies Mensch. Obwohl das Halten von Tieren in Gefangenschaft ein zentrales Thema des Films ist, vermeidet Côté allzu plumpe Kritik. Eher lässt er die Absurdität wirken, die sich daraus ergibt, dass man einsperrt, was man eigentlich bewahren will. Erhellend. Stephanie Grimm

CAN/F 2012, 72 Min., R: Denis Côté

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