Zeitung Heute : DOKUMENTARFILM

Wiegenlieder

Sophie Narr

Ein Rummelplatz und ein Fotoautomat sind ebenso Protagonisten wie Passanten. Die Regisseure Johann Feindt und Tamara Trampe suchen beim Treiben durch Berlin die Kindergeschichten, die jeder mit sich herumträgt. Sie hoffen diese zu finden mit der Frage nach Liedern aus der Kindheit. So begegnet das Team anfangs den hiesigen Klischees: jungen Müttern, frechen Kindern und glücklichen türkischen Ladenbesitzern. Lieder aus aller Welt erklingen. Doch sie verstummen bald. Detlef wurde im Gefängnis geboren. Er hat keine Wiegenlieder, genauso wenig wie Santos, der in einer Pflegefamilie aufwuchs. So wird dem Zuschauer in Erinnerung gebracht, dass die Kindheit eben nicht nur ein Zuckerschlecken ist. Aber ob es das ist, was die Regisseure uns mitgeben wollen, bleibt bis zum Ende des Films offen. Der Rest ist freie Assoziation. Ambivalent. Sophie Narr

„Wiegenlieder“, D 2009,

98 Min., R: Johann Feindt,

Tamara Trampe

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