Zeitung Heute : DOKUMENTATION

Kein Ort

Acht Jahre nach Moskaus „Befriedung“ Tschetscheniens sind noch immer Tausende auf der Flucht. Die einen, weil sie politisch verfolgt werden, die anderen aus blanker Not. Die meisten schweigen lieber über ihr Schicksal aus Angst vor dem langen Arm des Kadyrow-Regimes. Aber Kerstin Nickigs Protagonisten glauben, nichts mehr verlieren zu können: ein inguschetischer Journalist in Polen, ein Gelegenheitsarbeiter in der Ukraine, eine Familie mit krankem Kind in Wien, ein ehemaliger Feldkommandeur der Aufständischen, der in Österreich Asyl gefunden hat. Der Film folgt den Männern und Frauen ein Jahr lang auf ihren Wandergängen durch Asylheime, illegale Unterkünfte oder am neuen Wohnsitz, ohne ein Wort hinzuzufügen. Er appelliert an keine Kommission, sondern bringt uns die Menschen mit einer Intensität nahe, die bei Filmen dieser Thematik selten ist. Sehr gut. Hans-Jörg Rother

„Kein Ort“, D 2009, 98 Min., R: Kerstin Nickig

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!