Zeitung Heute : DOKUMENTATION

Leningrad – Der Mann, der singt

Wäre Johnny Rotten ein Russe gewesen, hätte er vielleicht Ähnlichkeit mit Sergej Shnurow gehabt: ein kahlköpfiger, trinkfester Raufbold mit proletarischem Charme, der als Sänger der 2008 aufgelösten Band Leningrad in seiner Heimat berühmt wurde. Peter Rippl hat aus Konzertaufnahmen und Interviews ein interessantes, gleichwohl Fragen offenlassendes Porträt zusammengefügt. Schon der Bandname eine pure Provokation, hielten Leningrad durch die Verwendung des Gossenslangs „Mat“ der postsowjetischen Gesellschaft einen Zerrspiegel vor. Auftrittsverbote zementierten den Ruf der Gruppe, deren Fangemeinde von der Hooliganszene bis in die Oligarchenfamilien reichte. Shnurow wird als brillanter Musiker gezeichnet, aber auch als Strippenzieher, der seinen Ruhm nach dem Ende der Band als Kunstmaler und Darling der Petersburger Schickeria auszunutzen weiß. Interessant.Jörg Wunder

„Leningrad“, D/RUS 2008,

81 Min., R: Peter Rippl

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