Zeitung Heute : Domain-Streit: Kremen vs. Cohen - Wem gehört sex.com?

Rita Neubauer

Wem Gehört Sex.com? Mit dieser Frage beschäftigen sich seit mehr als einem Jahr nordamerikanische Juristen. Gehört der Domain-Name Steven Cohen, der mit der pornographischen Website Millionen scheffelt? Oder gehört er dem in San Francisco ansässigen Unternehmer Gary Kremen, der Cohen beschuldigt, den lukrativen Namen erschwindelt zu haben.

Auch wenn die Klage von Kremen gegen Cohen erst im nächsten Frühjahr vor Gericht entschieden werden soll, so kam es jetzt zu einem aufsehen erregenden Urteil bezüglich Kremens Vorwurf, dass der Pornokönig die Seite geklaut hätte. Von einem Diebstahl könne keine Rede sein, so Richter James Warren. Denn Domain-Namen seien kein Eigentum, und könnten deshalb auch nicht entwendet werden.

Damit gibt der Richter den Anwälten von Network Solutions, einer Firma zur Registrierung von Domains, Recht, die argumentieren, dass eine Domain mit einer Telefonnummer, aber kaum mit einem Gut vergleichbar sei. Gleichfalls räumte der Richter jedoch ein, dass es bislang nicht hundertprozentig geklärt sei, ob Eigentumsrechte auf Domains angewendet werden können oder nicht. Dies zu entscheiden, sei jedoch nicht Sache eines Gerichts, sondern der Legislative.

Der richterliche Bescheid ist nur eine weitere Episode in einer inzwischen legendären Saga um Sex.com, die 1994 begann. Damals hatte Kremen als Student an der Stanford Business School mehrere Domains, von denen er sich langfristig Profit versprach, unter seinem Namen eintragen lassen - darunter auch Sex.com. Zur gleichen Zeit saß Stephen Cohen nur wenige hundert Kilometer entfernt im Süden Kaliforniens eine 46-monatige Gefängnisstrafe wegen Kreditschwindels, Betrugs und Urkundenfälschung ab. Kaum entlassen, riss sich Cohen Sex.com. unter den Nagel.

Nach Angaben von Kremen fälschte Cohen 1995 gekonnt einen Brief, mit dem Kremens Firma angeblich die Rechte an Sex.com auf seine eigene Firma, Sporting House Management, übertrug. "Ich bin eines Morgens aufgewacht", so erklärte später Kremen, "und Sex.com gehörte mir plötzlich nicht mehr." Eine Beschwerde bei Network Solutions half nichts. Die Firma beschied ihm nur, daß es nicht ihre Politik sei, Streitigkeiten um Domain-Namen zu schlichten. Das sei Sache der beiden Kontrahenten. Kremen verklagte daraufhin nicht nur Cohen sondern auch Network Solutions. Er ist sich sicher, daß eine Jury, wenn diese erst einmal Cohens Lebenslauf kenne, ihm nur Recht zusprechen könne.

Denn dass Cohen mit allen Wassern gewaschen ist, zeigt sein Versuch, Sex.com als Handelsnamen eintragen zu lassen. Auch drohte er anderen Pornsites mit Klagen, die ebenfalls das Wort "Sex" in ihren Domains verwendeten. In der Zwischenzeit verkaufte er Sex.com angeblich an eine mexikanische Firma, die in Tijuana registriert ist, und verlegte seine eigene Firma auf den British Virgin Islands.

Dass es bei der Klage längst nicht mehr um die Domain geht, wird schnell klar. Sex.com ist eine der führenden Sex-Websites auf dem Internet. Cohen selbst rühmt sich, dass er mehrere Millionen Kunden habe, die monatlich 25 Dollar auf den Tisch blättern. Hinzu kommen Einnahmen von einer Million Dollar allein für Banner-Werbung. Experten schätzen, daß Sex.com im Jahr leicht 100 Millionen Dollar einbringe. Millionen, von denen Kremen einen Batzen ab haben will. Denn wenn er letzendlich Recht erhält, hat er auch Anspruch auf das Geld, das Cohen mit Sex.com in den vergangenen vier Jahren verdiente.

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