Zeitung Heute : Dominikanische Republik: Bange machen gilt nicht

Michael Würfel

Die Dominikanischen Republik hält es für sehr bedenklich, wenn All-Inclusive-Resorts bei der Vermittlung von Tagesausflügen für Urlauber bewusst Ängste und Unsicherheiten schüren und vor Touren auf eigene Faust oder Buchungen bei kleineren, lokalen Anbietern warnen. "Mit der Angst von Urlaubern dürfen keine Geschäfte gemacht werden. Die Dominkanische Republik ist ein relativ sicheres Reiseland", sagte Pedro Dajer, Vizeminister für Tourismus, in Santo Domingo in einem Gespräch mit dem Tagesspiegel. Wenn bestimmte Hotels und Veranstalter nur ihre Ausflüge als sicher bezeichnen, andere dominikanische Anbieter, Taxen und Busse aber als gefährlich diskreditieren, "dann sollen mir Betroffene bitte Namen nennen. Dann geht mein Ministerium dieser Sache umgehend nach".

Einheimische Tourenveranstalter und Branchenkenner kritisieren, dass verunsicherte Touristen fast nur in ihren Hotelanlagen buchten und meist überzogene Preise akzeptierten. Wegen Verdrängungswettbewerbs und Überkapazitäten sind viele Anlagen in der beliebtesten Karibikdestination der Deutschen unter wirtschaftlichem Druck. Für einen Tagesausflug von Juan Dolio nach Santo Domingo mit Bus, Führung, Mittagessen und Getränken müssen etwa 50 US-Dollar pro Person bezahlt werden. Nicht mit dem Hotel verbundene Anbieter und Taxen sind meist preisgünstiger.

Dajer betont, auch Feriengäste, die Alles-Inklusive-Urlaub machen, sollten mal auf eigene Faust - auch mit Bus oder Mietauto - die Schönheiten ihrer Urlaubsinsel erkunden und die Einheimischen nicht nur als Kellner und Animateure kennen lernen. Der Tourismus-Vize sagte auch stellvertretend für viele Amtskollegen: "Wir haben mehr zu bieten als Palmen, Strand, karibische Musik und Hotelbars. Wer seine Hotelanlage verlässt und sich umschaut, gewinnt Kontakte und Einsichten, verschafft aber auch Einheimischen zusätzliche Einkommen." Dajer nennt als Beispiele Taxifahrer, Restaurantbesitzer, Markt- und Souvenirverkäufer. Drei von vier Hotels in den Touristenregionen des Landes sind inzwischen Alles-Inklusive-Anlagen.

Angesprochen auf das Thema "Ballermann"-Tourismus mit Ruhestörung, Ausschweifungen und Klagen Einheimischer wie auf Malloraca sagt Dajer: "Das Problem haben wir in der Dominikanischen Republik nicht." Kurzreisen gebe es kaum, die Nationalitäten seien gemischter. "Die Deutschen gelten bei uns Dominikanern als beliebt, weil sie ebenfalls kontaktfreudig und lebhaft sind, gern reden und tanzen. Natürlich sollten unsere Sitten respektiert werden."

Klagen über schlechte Straßen, Stromausfälle und unzureichende Müllentsorgung nehme der neue Präsident und die neue Regierung, die seit August im Amt sind, "sehr ernst". Im September, ohnehin ein flauer Touristenmonat, hatte es Klagen von Hoteliers im Lande gegeben, die niedrige Belegungsraten auch mit Schwächen in der Infrastruktur wie Straßen-, Energie- und Müllprobleme begründeten. Dajer: "Die Regierung arbeitet an diesen Problemen. Unser Ministerium hat Kampagnen zur Straßen- und Gemeinde-Reinigung begonnen. Wir wirken mit Bürgermeistern und verschiedenen Organisationen zusammen." In Bezug auf die hohe Analphabetenquote und die Verwendung touristischer Einnahmen versichert Dajer, die Regierung bemühe sich um eine deutliche Verbesserung der Schulqualitäten und des gesamten Bildungssystems im Land.

Trotz bestehender Probleme wird laut Dajer auch 2000 ein Rekordjahr im Fremdenverkehr. "Wir rechnen mit über drei Millionen Gästen aus aller Welt." 1999 reisten 2,649 Millionen Touristen ins Land, davon 457 000 aus Deutschland, dem wichtigsten Quellmarkt. Der Vergleich der Gästeankünfte von Januar bis Juli 2000 zu 1999 zeigt laut Ministerium ein deutliches Plus bei den Besuchern insgesamt, aus Europa und aus Deutschland. Die Touristeneinnahmen sollen in diesem Jahr auf drei Milliarden US-Dollar klettern nach 2,5 Milliarden in 1999.

Dajer macht frühere Regierungen für gewaltige Fehlinvestitionen auch im Tourismus verantwortlich. Ein Beispiel ist der "Geisterflughafen" Barahona im fast unberührten Südwesten mit weiten Stränden und Naturparks. Dajer: "Hier haben wir einen der größten und modernsten Flughäfen des Landes, aber kaum Hotelzimmer." Die Start- und Landebahn ist mit gut 3000 Meter Länge auch für Großraumflugzeuge aus Europa ausgelegt. In der Region gibt es erst 300 bis 400 Hotelzimmer. Italienische und andere Investoren bauen in den nächsten Jahren laut Dajer mehr als 600 neue Zimmer. "Auch Thermalbäder sind dann im Angebot." Einer der Schwerpunkte des Ausbaus im Fremdenverkehrs ist Dajer zufolge die Halbinsel Samana. Sie erhält eine neue Straßenverbindung, die die Anfahrt mit dem Auto von Santo Domingo auf etwa zweieinhalb Stunden halbieren soll, und einen neuen Flughafen. Weitere Hotels und Alles-Inklusive-Anlagen sind in Planung.

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