DOPPELAUSSTELLUNGAnton Henning : Genug ist nie genug

Nicola Kuhn

Das wurde Zeit, dass Anton Henning in Berlin endlich eine institutionelle Einzelausstellung erhält, denn der gebürtige Berliner ist einer der vielseitigsten Künstler weit und breit. Er ist Maler, Bildhauer, Filmemacher, Musiker, Möbelgestalter und begnadeter Koch zugleich. Den richtigen Ort für ein solches Universaltalent stellt das Haus am Waldsee dar, das sich selbst als Kreuzungspunkt der Künste versteht. Henning kann hier alle seine Talente entfalten: nicht nur Bilder und Skulpturen präsentieren, sondern das Untergeschoss des ehemaligen Wohnhauses mit Mobiliar als Salon gestalten, Filme zeigen und an einem Abend zu Tisch bitten.

Der Ausstellungstitel lautet „Gegengift“, denn gerade in seiner Vielseitigkeit, durch die humorvolle Malerei, die erotischen Anspielungen, aber auch die intensive Auseinandersetzung mit Meistern der Vergangenheit stellt Henning eine singuläre Position dar im Mainstream der Malerei. Das Gegengift verabreicht sich der Künstler jedoch auch selbst, indem er bei Courbet, Picasso, Picabia, Polke und Arp Anleihen macht. Die Aneignung und Uminterpretation der großen Vorbilder gibt ihm die Kraft, auf deren Schultern zu steigen und sich einen eigenen Weg durch die Kunstgeschichte zu bahnen. Bei Henning geschieht dies jedoch mit einer solchen Üppigkeit, seine Inszenierungen werden so zur visuellen Völlerei, dass auch darin ein Gegengift enthalten ist – zur sonstigen Blutarmut auf dem Markt.

Parallel zur Ausstellung im Haus am Waldsee präsentiert das Kolbe-Museum eine große Installation und eine Auswahl an Zeichnungen. Nicola Kuhn

Haus am Waldsee, So 20. 9. bis Do 29. 11., tgl. 11-18 Uhr, 6 €, erm. 3 €; Georg-Kolbe-Museum, So 20. 9. bis Do 15. 11., Di-So 10-18 Uhr

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