DOPPELAUSSTELLUNGFrank Nitsche und Yves Netzhammer : Die komprimierte Warenwelt

Seine Bilder sind in der Tate Britain in London oder im Centre Pompidou in Paris zu sehen. Nun hat der Künstler Frank Nitsche erstmals eine institutionelle Ausstellung in Berlin: „Cocktailhybridconcept“ im Haus am Waldsee. Gezeigt wird seine jüngste Werkserie, ihr zur Seite stehen zwei Arbeiten des Videokünstlers Yves Netzhammer – ein künstlerischer Dialog ist erwünscht. Nitsche komprimiert auf seinen Leinwänden den Überfluss der Warenwelt. Er schiebt geometrische und organische Formen zusammen, bis sie aussehen, als seien sie in die Müllpresse geraten.

Nitsche, 1964 in Görlitz geboren und in der DDR aufgewachsen, sammelt seit vielen Jahren Fotos, Werbeplakate, Schilder, Getränkedosen, Gummitiere, Plastikflaschenverschlüsse. Er schöpft aus dem visuellen Wahnsinn und abstrahiert ihn. Immer geht es dem Künstler um die Malerei als solche. Picassos Kubismus oder Malewitschs Konstruktivismus klingen an. Technoide, kühn geschwungene Konstruktionen treffen auf pastellig-süße Farben und ein großes Format. Und so strahlen die durchnummerierten Bilder sogar Ruhe aus. Nitsches Gegenpart Yves Netzhammer kreiert am Computer surreale Seelenlandschaften (Foto). Seine Videos sind kühl und perfekt. Nichts bleibt, wie es zu sein scheint, die Figuren und Objekte verändern sich vom Baum zum Elch zum Menschen oder umgekehrt. Gesichter haben keine Augen und Münder, Emotionen sind nicht abzulesen. 2007 gestaltete Netzhammer den Schweizer Pavillon auf der Biennale in Venedig. Mit Nitsche schwankt er zwischen prallem Leben und absoluter Künstlichkeit. Festhalten gilt nicht. Anna Pataczek

Haus am Waldsee, Fr 10.9. bis So 14.11.,

Di-So 11-18, Mi 11-20 Uhr, 5 €, erm. 3 €

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