DOPPELAUSSTELLUNG„Giacometti der Ägypter“ : Der Jahrtausendschritt

Christina Tilmann

„Die schönste Statue ist für mich weder griechisch noch römisch und schon gar nicht aus der Renaissance, sondern ägyptisch“, schrieb der Maler und Bildhauer Alberto Giacometti als 20-Jähriger nach dem Besuch der Vatikanischen Museen. Die Erstbegegnung begründete eine lebenslange Passion: Immer wieder hat Giacometti Nofretete gezeichnet, ebenso Echnaton oder den „Grünen Kopf“ aus dem Ägyptischen Museum Berlin. Im Berliner Museum selbst ist Giacometti zwar nie gewesen. Doch hat er als junger Mann leidenschaftlich Veröffentlichungen und Monografien über Ägyptische Kunst studiert und von den Abbildungen profitiert.

Wenn das Ägyptische Museum Berlin nun gemeinsam mit der Giacometti-Stiftung in Zürich die Ausstellung „Giacometti der Ägypter“ präsentiert, ist das einer der originellsten Beiträge zu Schusters Abschiedsfeuerwerk „Kult des Künstlers“. Die Ähnlichkeiten zwischen Kunstwerken, deren Entstehung mehr als zwei Jahrtausende auseinanderliegt, sind frappierend: der gleiche ruhige Schritt, das Verharren zwischen Bewegung und Stillstand. Oder das ganz ähnliche blockartige Podest bei einer fast 3000 Jahre alten „Stand-Schreitfigur“ und Giacomettis „Homme qui marche“ von 1947 (Fotos). Auch bei den nervösen Porträts seiner Frau Annette oder seines Bruders Diego überrascht der gleiche hypnotische Blick, den man aus den kajalumrandeten Augen der Ägypter kennt. Kein Wunder, dass die Staatlichen Museen für die Ausstellung auf Maurizio Nannuccis Neon-Schriftzug „All Art has been contemporary“ an der Fassade des Alten Museums verweisen. Christina Tilmann

Altes Museum, Mi 29. 10. bis So 1. 3., Mo/Mi,

Fr-Mi 10-18 Uhr, Do 10-22 Uhr, 8 €, erm. 4 €

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