Zeitung Heute : Doppelt tankt besser

Fiat, Ford, Opel, Volvo und VW liefern jetzt Personenwagen für den Erdgasbetrieb ab Werk

Ingo von Dahlern

Golf Variant Bi Fuel – so heißt das neueste Angebot bei den Serienfahrzeugen, die für den Betrieb mit Erdgas eingerichtet sind. Fahrzeuge also, die man nicht nachträglich umrüsten muss, sondern die ab Werk erdgastauglich sind. Von Fiat werden diese Modelle als Multipla Bipower, von Ford als Ka und Focus CNG, von Opel als Zafira CNG und von Volvo als S60, V70 und S80 Bi-Fuel angeboten.

Dabei setzen die Hersteller derzeit vor allem auf bivalente Fahrzeuge. Das sind Autos, die sowohl mit Erdgas als auch mit Benzin betrieben werden können. Denn noch ist das Netz der deutschen Erdgastankstellen, das konsequent um weitere 1000 Stationen erweitert wird, mit derzeit 306 Zapfstellen in einigen Regionen noch recht dünn. Und in vielen Nachbarländern gibt es noch weniger oder überhaupt keine Erdgas-Tankstellen. Wer mit seinem Auto trotzdem flexibel bleiben, ohne Sorgen auch auf große Urlaubstour gehen möchte, der ist mit einem bivalenten Erdgasauto bestens bedient. Denn wenn einmal kein Erdgas verfügbar ist, dann schaltet man eben auf Benzinbetrieb um.

Zwar nimmt man bei solchen Autos in Kauf, dass ihre Motoren nicht konsequent auf Erdgasbetrieb optimiert werden können, wie das bei monovalenten Fahrzeugen wie zum Beispiel dem Fiat Multipla Blupower verwirklicht ist. Doch dieser Kompromiss, der beim Erdgasbetrieb für einen geringen Leistungsverlust verantwortlich ist, ist mit Blick auf den Gewinn an Flexibilität durchaus vertretbar, denn im alltäglichen Fahrbetrieb merkt man kaum einen Unterschied.

Bivalente Erdgasautos brauchen natürlich auch zwei Tanks – einen für Benzin und den für den Wasserstoff, der als so genanntes Compressed Natural Gas (CNG) mit einem Druck von 200 bar in einem meist voluminösen Drucktank gespeichert wird. Für diese Tanks braucht man zusätzlichen Platz im Auto. Deshalb scheuen sich viele Autofahrer vor einer Nachrüstung, weil der zusätzliche Erdgastank meist im Kofferraum platziert wird und dessen Volumen einschränkt.

Darüber muss man sich bei den jüngsten Vertretern der ab Werk mit Erdgastechnik gelieferten Personenwagen keine Gedanken mehr machen. Denn deren Tanks sind so untergebracht, dass sie im Fahrzeuginnenraum nicht stören. So setzt zum Beispiel Fiat bei seinem Multipla Bipower auf Unterflur-Erdgastanks, die mit einem Volumen von gut 160 Liter für bis zu 700 Kilometer Reichweite genügen. Mit rund 210 Kilometer deutlich geringer ist die Reichweite des soeben auf den Markt gekommenen Golf Variant Bi Fuel mit Erdgas, der die Erdgastanks im Kofferraumboden hat, dessen Volumen mit bis zu 1285 Liter nicht sehr stark eingeschränkt ist. Daneben hat er den normalen 55-Liter-Benzintank. Mit Tanks unterm Wagenboden arbeitet auch Volvo bei seinen Bi-Fuel Modellen.

Bei Ford, dem Unternehmen, das die derzeit wohl breiteste Palette von Erdgasfahrzeugen anbietet, setzt man auf Erdgasumrüstung ab Werk, bei der allerdings etwas Kofferraumvolumen verloren geht. Mit Unterflurtanks arbeitet dagegen beim Opel Zafira CNG, der schon stark in Richtung eines monovalenten Erdgasautos tendiert. Denn er hat einen auf Erdgas optimierten Motor und nur noch einen 14 Liter fassenden Zusatztank für Benzin.

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