Zeitung Heute : Doppelter Nutzen

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Für die meisten Atomkraftwerke neuerer Bauart und für den Bau von Atomwaffen ist das natürlich vorkommende Uran nicht nutzbar. Ursache dafür ist, dass Natururan lediglich 0,72 Prozent des spaltbaren Uranisotops mit dem Atomgewicht 235 enthält. Der Rest besteht aus dem schwereren Uran 238, das für die Erzeugung einer nuklearen Kettenreaktion ungeeignet ist. Weil beide Isotope sich chemisch identisch verhalten, lassen sie sich nur über aufwendige physikalische Methoden trennen.

Dazu nutzen die meisten Staaten mit Atomkraftwerken die komplexe Zentrifugentechnik , die nun auch Iran einsetzen will. Dabei wird natürliches Uran in Uranhexaflouorid gebunden und in Gasform in Zylinder eingeleitet, die mit mehr als 10 000 Umdrehungen in der Minute rotieren. Die Zentrifugalkraft sorgt dafür, dass das Isotopengemisch sich in einen schweren Anteil mit etwas weniger und einen leichten mit mehr Gehalt von U-235 auftrennt, der abgesaugt werden kann.

Dieser Vorgang muss jedoch viele tausend Mal wiederholt werden, um den für die Kernkraftwerke benötigten Anreicherungsgrad des spaltbaren Anteils von 3,5 Prozent zu erreichen. Für die Bombenherstellung ist sogar eine Konzentration von 98 Prozent nötig. Um diese Trennarbeit in überschaubaren Zeiträumen zu bewältigen, werden mehrere hundert Kaskaden mit Tausenden von Zentrifugen benötigt, wie sie auch in der Urananreicherungsanlage im niederrheinischen Gronau betrieben werden.

Bisher verfügt Iran nach eigenen

Angaben aber nur über 164 dieser Maschinen. Bis Ende des Jahres sollen es 3000 werden, kündigte Mohammed Saidi , der stellvertretende Leiter der iranischen Atombehörde, am Mittwoch an. Doch auch das wären viel zu wenig, um Kernbrennstoff in nennenswertem Umfang zu gewinnen. Geplant sei daher der Ausbau auf 54 000 Zentrifugen , sagte Saidi. Das würde für die Ausstattung eines Atomkraftwerks genügen. Für die Herstellung des Kerns einer Uranbombe müsste die Anlage dann nur ein paar Jahre länger laufen. hsc

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