Zeitung Heute : Doppelter Schutz

fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin. Heute: Vom Nutzen der Grippeimpfung

Hartmut Wewetzer

Diese Amerikaner! Nein, hier geht es nicht um Politik. Sondern um die Virusgrippe, Influenza genannt. Die medizinisch hochgerüsteten USA müssen dieses Jahr Millionen von Impfstoffdosen gegen die Grippe importieren, denn die eigenen Vorräte reichen bei weitem nicht. Und das, obwohl der Nutzen der preiswerten und sicheren Grippeimpfung eigentlich klar belegt ist. Eine neue Studie im (amerikanischen) Fachblatt „Jama“ zeigt das eindrucksvoll:

Eine Gruppe holländischer Wissenschaftler untersuchte über mehrere Jahre, wie sich die Grippeimpfung auf die Sterblichkeit bei Heimbewohnern (65 Jahre oder älter) auswirkte. Während die erste Impfung noch nicht erheblich zu Buche schlug, sah das in den nachfolgenden Jahren schon anders aus. In der Gruppe der Personen, die sich jährlich von neuem gegen Grippe impfen ließ, sank die Sterblichkeit um 15 Prozent, während der Grippeperiode sogar um 28 Prozent. Auf 302 Impfungen (oder 195 Wiederholungsimpfungen) kam jeweils ein verhinderter Todesfall.

Das Überraschende: Wer geimpft war, war nicht nur besser gegen Grippe und Lungenentzündung geschützt, sondern auch gegen häufige und chronische Altersleiden wie Herzkrankheiten oder Diabetes. „Selbst die meisten Ärzte wissen nicht, dass das Sterberisiko infolge chronischer Krankheiten durch die Influenza ansteigt", kommentiert der amerikanische Infektionsmediziner William Shaffner das Phänomen. Die Influenza kann dem ohnehin angeschlagenen Patienten den Todesstoß geben.

Andersherum heißt das, dass die Impfung so etwas wie doppelten Schutz verleiht. Wer jenseits der 60 ist, sollte sich impfen lassen, empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut. Daneben all jene Personen, die aufgrund von Krankheiten oder aus beruflichen Gründen besonders gefährdet sind. Jetzt ist noch Zeit.

Bei uns wird die „echte“ Grippe (hohes Fieber, Glieder- und Kopfschmerzen, Erschöpfung, trockener Husten) im allgemeinen Sprachgebrauch gern mit dem eher harmlosen Schnupfen („mildere“ Erkrankungszeichen, verstopfte und laufende Nase) in einen Topf geworfen. Der „grippale Infekt“ ist aber meist nur eine lästige „Erkältung“. Allerdings gelten die gleichen Regeln, wenn man sich oder andere vor Ansteckung schützen will – egal ob banaler Schnupfen oder potenziell gefährliche Influenza. Man sollte: den engen Kontakt mit Erkrankten meiden; zu Hause bleiben, wenn es einen erwischt hat; beim Schneuzen und Niesen Nase und Mund bedecken; sich häufiger die Hände waschen; und schließlich es vermeiden, Augen, Mund und Nase zu berühren – Vorsicht Viren!

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