Dr. WEWETZER : Die Falten glätten

fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin. Heute: Was gegen das Altern der Haut hilft

Hartmut Wewetzer

Falten sind eigentlich ganz natürlich. Und doch die Existenzberechtigung einer milliardenschweren Industrie, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Spur der Jahre unauffällig zu verwischen. Unterstützung erhält sie dabei inzwischen von der Wissenschaft. Denn die Kunst der Hautglättung ist keine Scharlatanerie mehr, sondern hat eine solide Basis. Drei Verfahren haben sich bewährt und können als wissenschaftlich gesichert gelten, berichten Forscher um Gary Fisher von der Universität von Michigan in Ann Arbor im Fachblatt „Archives of Dermatology“. Aus ihrer Sicht sind das Laserstrahlen, Vitamin-A-Präparate und Spritzen mit Hyaluronsäure in die Haut („Füller“).

Entscheidend für die Elastizität der Haut und ihr jugendliches Aussehen ist Kollagen. Es besteht aus langen Eiweißfäden, die ineinander verdrillt sind wie die Fäden eines Seils. Der Clou des Ganzen: Die Kollagenseile sind an Fibroblasten angeheftet, die Bindegewebszellen in der Tiefe der Haut.

Die Fibroblasten stellen das Kollagen her, „kleben“ sich dann an die Eiweißfäden und setzen sie unter Zug. In praller und fester Haut sind die Kollagenfäden straff gespannt wie die Federn eines Trampolins – mit den Fibroblasten als Trampolinflächen.

Kollagen hält bis zu 30 Jahre. Aber irgendwann wird das Netzwerk brüchig. Neben dem Zahn der Zeit ist es vor allem der ultraviolette Anteil des Sonnenlichts, der der Haut zusetzt. Sonnenlicht und Rauchen lassen sie im Zeitraffer altern. Die Fibroblasten stellen weniger Kollagen her und produzieren Eiweißstoffe (Enzyme), die das Kollagen verdauen. Folge: Die zwischen den Kollagenfäden aufgespannten Zellen fallen in sich zusammen, weil das Gespinst sie nicht mehr halten kann. Die Haut erschlafft, legt sich in Falten.

Vitamin-A-haltige Cremes kurbeln die Produktion von intaktem Kollagen in der Haut wieder an. Ein Effekt, den man tatsächlich sehen kann, wie die amerikanischen Hautärzte schreiben. „Deutliche Wirkungen erzielt man eher mit verschreibungspflichtigen Vitamin-A-Präparaten“, sagt der Hautspezialist Berthold Rzany von der Berliner Uniklinik Charité. Ein unerwünschter Nebeneffekt kann eine Hautrötung sein.

Anders wirkt der gebündelte Lichtstrahl eines Kohlendioxid-Lasers auf die faltige Haut. Der Laser führt zu einer oberflächlichen Hautwunde. Das hilft paradoxerweise, die Haut in zwei Schritten zu regenerieren. Zunächst wird „altes“ Kollagen angebaut, dann wird ganz viel neues produziert.

Füll-Spritzen in die Haut, etwa mit Hyaluronsäure, sollen Unebenheiten ausgleichen und die Haut voller erscheinen lassen. Aber offenbar regen sie auch die Kollagenbildung an, wie neue Untersuchungen nahe legen.

Das A und O der Furchen-Vorsorge ist dagegen schon lange bekannt: Nichtrauchen und ausreichender Schutz vor der Sonne. Auch wenn die noch so lockt.

Unser Kolumnist leitet das Wissenschaftsressort des Tagesspiegel. Vor kurzem erschien „Der Brokkoli-Faktor“, eine Sammlung von Hartmut Wewetzers Kolumnen im Ullstein-Verlag (185 Seiten, 7,95 Euro). Haben Sie eine Frage zu seiner guten Nachricht?

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