Dr. WEWETZER : Dreimal Diät

Hartmut Wewetzer fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin Heute: Wie man richtig abnimmt

Hartmut Wewetzer

Welche Diät die richtige ist, darüber werden regelrechte Glaubenskriege geführt. Fettarm? Wenig Kohlenhydrate? Essen wie am Mittelmeer? Diese verbreiteten Diätvarianten haben nun Wissenschaftler in Israel getestet und verglichen. Und kamen dabei zu überraschenden Ergebnissen. Das wichtigste: die Mittelmeer- und die kohlenhydratarme Diät sind der fettarmen durchaus gleichwertig, vielleicht sogar überlegen. Es ist ein Sieg des Pluralismus über die allein seligmachende Lehre.

„Wir haben bei allen Diätformen gesehen, dass sie das Gewicht verringern“, fasst Studienleiterin Iris Schai von der Ben-Gurion-Universität in Beerscheva die im Fachblatt „New England Journal of Medicine“ veröffentlichten Ergebnisse zusammen.

322 Männer und Frauen, die in einer israelischen Kernforschungsanlage arbeiteten, bekamen für zwei Jahre in ihrer Kantine eine maßgeschneiderte Ernährung, je eine von drei Diätformen. Die Teilnehmer hatten einen Body-Mass-Index von 31, waren also deutlich über der Norm, ohne aus allen Nähten zu platzen.

Die erste Gruppe erhielt eine Niedrigfett-Kost mit wenig Cholesterin: fettarmes Getreide, Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, wenig Süßes oder fette Snacks. Die zweite Gruppe speiste wie am Mittelmeer, ganz nach den Maximen des Harvard- Ernährungspapstes Walter Willett: vorrangig Gemüse, als Fettquelle Olivenöl und ein paar Nüsse, dazu wenig rotes Fleisch und umso mehr Fisch und Huhn.

Beide Gruppen hatten ein Limit von 1500 (Frauen) und 1800 Kalorien (Männer) am Tag. Anders die dritte Gruppe, die sich nach der Lehre von Robert Atkins richtete: Essen, so viel man will, aber bitte nur ganz wenig Kohlenhydrate (Brot, Nudeln, Kartoffeln, Reis). Und bevorzugt pflanzliches Fett und Protein.

Nach etwa einem halben Jahr war das Maximum der Gewichtsabnahme erreicht, am besten lag die Atkins-Diät mit 6,5 Kilogramm weniger, gefolgt von der Mittelmeer-Diät mit gut 5,5 Kilogramm und der Niedrigfett-Kost mit nur 4,5 Kilogramm. Danach ging’s wieder leicht nach oben. Am Ende pendelten sich Atkins- und Mittelmeer-Kost bei fünf Kilogramm, die fettarme Diät bei gut drei Kilogramm Gewichtsverlust ein. Es ist das alte Problem jeder Diät: Nicht das Abnehmen an sich ist schwierig, sondern das dauerhafte Schlankbleiben „danach“.

Zudem zeigte sich, dass Frauen mehr Gewicht mit der Mittelmeer-Diät verloren. Außerdem besserte diese Ernährung die Blutzuckerwerte bei Zuckerkranken, während die Atkins-Diät das „gute“ HDL-Cholesterin im Blut erhöhte. Wer sich für eine dieser Diätformen entscheidet, hat also unter Umständen einen Zusatznutzen. Auch wenn nicht verschwiegen werden soll, dass die Atkins-Diät wegen des unbekümmerten Fettverzehrs besonders bei Herzspezialisten nach wie vor keinen guten Ruf hat. Ansonsten gilt: Wer abnehmen will, hat jetzt die Qual der Wahl. In meinen Augen spricht eine Menge für das Mittelmeer. Vielleicht die beste Diät, um dauerhaft schlank und gesund zu bleiben.

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