Dr. WEWETZER : Gesund durch die Sonne

Hartmut Wewetzer fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin. Heute: Vom vielfältigen Nutzen des Vitamins D.

Die Sonne zeigt sich wieder öfter. Grund genug für einen Spaziergang. Auch aus medizinischer Sicht sind Luft und Licht mehr als wohltuend. Sonnenlicht füllt unseren Speicher an Vitamin D auf. Über dieses Vitamin – das streng genommen kein „Vitamin“ ist, weil unser Körper es selbst herstellt – haben sich in den letzten Jahren die erfreulichen Nachrichten gehäuft. Es stellt sich heraus, dass Vitamin D nicht nur gut für die Knochen ist, sondern auch das Risiko von Herzleiden, Krebskrankheiten und Infekten senken kann.

Das jüngste Beispiel für diese Vielseitigkeit liefert eine dänische Studie. Carsten Geisler von der Uni Kopenhagen belegte, dass Vitamin D das Immunsystem stärkt. Die T-Zellen des Immunsystems fahren nach Kontakt mit einem Krankheitserreger biochemische „Antennen“ für Vitamin D aus, Rezeptoren genannt.

Hat die T-Zelle das Vitamin D mit ihrem Rezeptor „erschnuppert“, verwandelt sie sich. Entweder in eine „Killerzelle“, die Krankheitserreger attackiert, oder in eine Helferzelle. Die schult das Immunsystem. Der Umweg über das Vitamin D könnte den Körper vor einer Überreaktion des eigenen Immunsystems bewahren, nehmen die Forscher an. Und im Januar legten europäische Wissenschaftler ein neues Ergebnis der umfangreichen „Epic“Studie vor, in der sich zeigte, dass ein hoher Vitamin-D-Spiegel im Blut das Risiko für Darmkrebs um 40 Prozent senken kann, verglichen mit niedrigem Vitaminspiegel. Andere Untersuchungen deuten darauf hin, dass zu wenig Vitamin D das Risiko für Brust- und Prostatakrebs und für weitere Tumoren erhöht. Das Vitamin hemmt unkontrolliertes Zellwachstum.

Die Liste lässt sich weiter verlängern. Im November 2009 veröffentlichten Forscher des Intermountain Medical Center in Salt Lake City eine Untersuchung, nach der selbst ein moderater Vitamin-D-Mangel jenseits der 50 die Gefahr von verengten Herzkranzgefäßen, Schlaganfall und vorzeitigem Tod erhöht. Und wer auf der anderen Seite viel mit der Sonne Vitamin D tankt, erkrankt seltener an Störungen wie dem Nervenleiden Multiple Sklerose.

Vitamin D ist eine hormonähnliche Substanz. Das erklärt ihre vielfältige Wirkung. Überall im Organismus kurbelt die Substanz überall Stoffwechselprozesse an und beeinflusst dabei vermutlich mehr als 1000 Gene.

Preisfrage: Wie viel Vitamin D soll’s denn sein? Die meisten Deutschen haben zu wenig Vitamin D im Blut. Die Gleichung „mehr Vitamin ist gleich mehr Gesundheit“ geht jedoch nicht auf. Man kann auch des Guten zu viel tun, wenngleich dieses Risiko bei Vitamin D gering ist. In Deutschland bekommen Säuglinge zur Rachitisvorbeugung Vitamin D. Ab 65 sollte man erwägen, es zusätzlich einzunehmen. Wer zudem den ganzen Tag im Büro hockt, ist ebenfalls ein Kandidat für ein Vitamin-D-Präparat, zumal in den Wintermonaten. Der Harvard-Experte Walter Willett ist da ganz pragmatisch. Er empfiehlt eine Multivitamintablette inklusive Vitamin D als Nahrungsergänzung. Sicher ist sicher, sagt Willett.

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