DRAHTSEIL Akt : Charme, Gift und Zerrüttung

Norbert Tefelski

„Das Pubikum spielt mit. Da schlag ich mir immer wieder auf die Schenkel.“ Mit diesen Worten ironisierte einst Hanns Dieter Hüsch die Humoristen- Unsitte, Pointen auf Kosten des Publikums zu erzeugen. Im Grunde tut Thomas Kreimeyer in seinem Kabarett der rote Stuhl nichts anderes. Aber hier bleiben Peinlichkeiten aus. Man ist geneigt, es genial zu nennen, wenn der „sich unterhaltende Unterhalter“ das Scheinbar-Varieté zum intimen Wohnzimmer umfunktioniert.

Er spricht einen Zuschauer direkt an, fragte etwa „Wie haben Sie sich auf die Vorstellung vorbereitet?“, verdreht, übertreibt, absurdisiert die Antwort, reicht die Staffel weiter an einen anderen, konstruiert Bezüge zwischen beiden – und, haste-nich- gesehn, ist das ganze Publikum eine plauderselige Schicksalsgemeinschaft. Welch urkomische Resultate das haben kann, muss man selbst erleben. Der „Moderator“, der eine gewisse Ähnlichkeit mit dem jungen Victor de Kowa hat, ist zugleich Charmebolzen und Giftspritze. Wenn er skeptisch eine Braue hebt oder ungläubig die Augen aufreißt, weil ihn eine Aussage wieder mal „völlig zerrüttet“, vergisst man glatt den roten Stuhl. Über dessen Funktion hier nichts verraten wird.

Scheinbar, Mo 27.10.,

20.30 Uhr, 12 €, erm. 8 €

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