Zeitung Heute : DRAMA

Versailles

Die Touristen atmen tiefer, wenn sie vom Schloss auf den Park blicken. Hier liegt ihnen die Welt zu Füßen. Aber im Wald um Versailles wohnen die, denen die Welt noch nie zu Füßen gelegen hat. Solche wie Damien. Er schläft eines Nachts mit einer Streunerin, am nächsten Morgen ist sie weg – aber ihr kleiner Sohn ist noch da. Wie lebt einer, der niemandem und nichts verpflichtet sein will, mit der größten aller nur denkbaren Verpflichtungen? „Versailles“ ist der Film des Guillaume Depardieu, Sohn von Gérard Depardieu, der kurz darauf starb. So wirkt es durchaus gespenstisch, Damien-Guillaume hier sterbenskrank zu sehen, und der Junge (groß: Max Baissette de Malglaive) rennt ins Schloss, um Hilfe zu holen. Ein zarter, starker Film über den Preis der Freiheit und darüber, dass sie ohne Verantwortung eine Illusion bleibt. Gut. Kerstin Decker

„Versailles“, F 2008, 113 Min., R: Pierre Schoeller, D: Guillaume Depardieu, Max Baissette de Malglaive, Judith Chemla

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!