Zeitung Heute : DRAMA

Habermann

Die deutsch-tschechischen Beziehungen werden noch immer von der Vergangenheit überschattet. Die Deutschen hatten die Tschechoslowakei 1938 beim „Münchner Abkommen“ zerschlagen, die Tschechen nahmen 1945 mit der Vertreibung von drei Millionen Sudetendeutschen Rache. Eine deutsch-tschechische Großproduktion, die vom Schicksal eines sudetendeutschen Dorfs zwischen 1937 und 1945 erzählt, ist sicher eins: gut gemeint. Doch das Familienepos scheitert an hölzernen, arg didaktischen Dialogen und klischeehafter Figurenzeichnung. Mark Waschke versucht als politisch naiver Forstunternehmer vergeblich, mit seinem Credo „Ich brauche kein Vaterland, ich habe eine Heimat“ anständig zu bleiben, Ben Becker gibt wieder einmal die Karikatur eines NS-Herrenmenschen und befummelt sogar eine „Halbjüdin“. Verunglückte Geschichslektion. Christian Schröder

D/CZ 2010, 104 Min., R: Juraj Herz, D: Mark Waschke, Hannah Herzsprung, Ben Becker

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