Zeitung Heute : DRAMA

Villa Amalia

Gerald Jung

„Ich höre auf. Mit den Konzerten, mit allem.“ Nachdem die Pianistin Ann gesehen hat, wie ihr Mann eine andere Frau küsst, verkauft sie die gemeinsame Wohnung, bricht sämtliche Brücken hinter sich ab. Eine hysterische Überreaktion oder der lang gehegte Traum vom Weggehen, vom Alleinsein, gar vom Verschwinden aus der Welt? So radikal, wie Ann ihren Schlussstrich zieht, so spröde und nüchtern hat der französische Regisseur Benoît Jacquot („Sade“) seinen skizzenhaften Film inszeniert. Die wenigen Hinweise, die Anns Verhalten erklären könnten, rückt er beiläufig heraus. Auch die Romanze mit dem wiedergefundenen Jugendfreund verwehrt uns Jacquot. Ob Ann Ruhe findet? Weder Jacquot noch die superb zurückhaltend spielende Huppert geben eine Lösung preis. Ein zugleich bedrückender und befreiender Film. Rätselhaft. Gerald Jung

F/CH 2009, 94 Min., R: Benoît Jacquot, D: Isabelle Huppert, Jean-Hugues Anglade

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