Zeitung Heute : DRAMA

Das Turiner Pferd.

Michael Meyns

Ein Mann, seine Tochter, ein altes Pferd, eine einsame Hütte in karger Landschaft. Mehr gibt es in den gut zweieinhalb Stunden von Bela Tarrs „Das Turiner Pferd“ kaum zu sehen. Allein der Wind tobt immer heftiger um das Haus und kündigt das nahende Ende der Welt an. Denn um nichts weniger geht es in diesem neunten Film des ungarischen Regisseurs. In harschem Schwarz-Weiß zeigt Tarr in gut 25 Einstellungen die letzten sechs Tage der Welt. Eine umgekehrte Schöpfungsgeschichte, reduziert auf einen alten Mann und seine Tochter. Immer wieder exerziert Tarr die gleichen Verrichtungen durch. Selten wurde die Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz so auf den Punkt gebracht. Lässt man sich auf Tarrs Bilder und Visionen ein, dann wird man so schnell keinen eindrucksvolleren Film im Kino zu sehen bekommen. Ein Meisterwerk.

Michael Meyns

H/F/D 2011, 146 Min., R: Bela Tarr, D: Janos Derzsi, Erika Bok

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