Zeitung Heute : DRAMA

Haus der Sünde.

Ein gutes Dutzend hübsche Frauen in Reizwäsche. Freier in ähnlicher Anzahl. Die Puffmutter; Raumhöhlen, deren parfürmiert-brokatiger Mief sich im Dämmer nur erahnen lässt. Bertrand Bonello inszeniert ein Pariser Luxusbordell zum Fin de Siècle, das kurz vor der Schließung steht. Es ist ein ebenso erlesenes wie erbärmliches Ende – und ein Film, der hart zur Sache geht, was das Leben der Huren angeht, die durch Schuldknechtschaft dauerhaft mit dem Bordell liiert sind: Drogensucht, Geschlechtskrankheiten und gewaltsame Übergriffe drohen. Inszeniert ist das als locker episodischer Reigen, kreist aber dennoch traumatisch um eine besonders grausame Tat und ihre Folgen. Der Film ist bei aller frauenrechtlerischen Absicht doch urfranzösisch. Das heißt: Wen Lingerie völlig kaltlässt, dem dürften die zwei Stunden etwas lang werden. Speziell. Silvia Hallensleben

F 2011, 122 Min., R: Bertrand Bonello, D: Hafsia Herzi, Céline Sallette, Alice Barnole

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