Zeitung Heute : DRAMA

Paradies: Glaube.

Bei der Premiere in Venedig war die Szene ein sicherer Lacher. Dass Annas Mann das Papstbild mit dem Stock von der Wand schubst, taugt nach Benedikts Abtritt erst recht zur Pointe. Anna ist erzkatholisch (und ihr Mann Moslem), in den Ferien zieht sie mit einer Wandermuttergottes los, um Migranten und andere gottlose Wiener zu bekehren. Zu Hause geißelt sie sich streng-verzückt vor Jesus am Kruzifix, nimmt den Erlöser schon mal mit ins Bett und trägt einen ehelichen Religionskrieg aus. „Paradies: Glaube“ ist der beste Teil von Ulrich Seidls Trilogie über Frauen, die sich nach Liebe sehnen: eine kühl inszenierte, eindringliche Parabel über Fanatismus, Sex und Gewalt. Dabei rekapituliert er den Blick seiner Heldin auf das gottlose Österreich, ohne sich je darüber lustig zu machen. Großartig, wie Maria Hofstätter als Anna sich in ihrer Mission nicht beirren lässt. Stark. Christiane Peitz

D 2012, 114 Min., R: Ulrich Seidl, D: Maria Hofstätter, Nabil Saleh

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