Zeitung Heute : DRAMA

Just the Wind.

Dieser Film geht einem nah, hautnah. Der Wind zaust die Bäume, die Kamera sitzt den Menschen im Nacken, was will das Auto im Schritttempo neben dem Feldweg? Schutzlosigkeit, Demütigung, Todesangst, die Hitze des Sommertags, sie machen die Not der ungarischen Roma-Familie schier unerträglich. Die Mutter wird beim Putzjob gemobbt, der Tochter in der Schule ergeht es kaum besser, der kleine Bruder hortet im Wald Überlebensvorräte, der Opa liegt krank in der schäbigen Hütte. Sie sollen sich vorsehen, sagt der Vater via Skype aus Kanada. Vier Nachbarsfamilien wurden ermordet, also gehen Mutter und Kinder schnell ihrer Wege, ziehen die Köpfe ein. Sie könnten die Nächsten sein, trotz der Roma-Bürgerwehr. Eine Momentaufnahme mitten aus dem heutigen Europa, stille Hölle der Barbarei, eineinhalb Flugstunden von Berlin entfernt. Erschütternd. Christiane Peitz

H/D/F 2012, 91 Min., R: Benedek Fliegauf, D: Katalin Toldi, Gyöngyi Lendvai, Lajos Sárkány

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