DRAMA„Im Tal von Elah“ : Pixel, Fetzen, Rauschen

Christiane Peitz

Schade, dass er bei den Oscars leer ausging. Sein Reptiliengesicht ist Gold wert. In gleich zwei US-Filmen verkörpert Tommy Lee Jones derzeit Daddy Amerika in der Krise: Urgestein der Nation, erschöpfter Veteran, erschütterter Patriot. Als Sheriff im Coen-Thriller „No Country for Old Men“ und ebenso als Ex-Militär Hank in Paul Haggis Irakkriegsdrama „Im Tal von Elah“ redet Jones nicht viel, folgt stur der Spur des Bösen und stößt auf grausame Wahrheiten.

Hank Deerfield, Vietnam-Veteran, redlicher Bürger in Tennessee. Macht sich auf nach Fort Rudd, New Mexiko, weil sein aus dem Irak heimgekehrter Sohn Mike von dort verschwunden ist. Paul Haggis („L. A. Crash“) schickt diesen bis in die blitzblank gewienerten Schuhspitzen disziplinierten alten Mann zugleich in ein klassisches „Whodunnit“. Der Irakkrieg, ein Kriminalfall.

Die Geschichte vom verlorenen Sohn basiert auf dem wahren Fall eines Iraksoldaten, der nach seiner Rückkehr ermordet und zerstückelt wurde: der Täter – ein Opfer. Plötzlich findet der Krieg mitten in der amerikanischen Provinz statt, im Amerika der Diner, Billigmotels und Polizeistationen. Banale Schauplätze, entsättigte Farben, kontrollierte Ästhetik. Man kennt das aus Detective-Serien und erschrickt um so mehr über die außer Kontrolle geratene Zivilisation. Abends schweigt Hank ins Telefon, am anderen Ende der Leitung schweigt seine Frau (Susan Sarandon), Inbegriff der tapfer beherrschten Gefühle.

Nach erstem Konkurrenzgerangel nimmt Hank die Hilfe der Kripo-Beamtin Emily Sanders (Charlize Theron als allein erziehende Mutter) in Anspruch. Gemeinsam stellen sie sich dem Unvorstellbaren, entdecken Leichenteile, Lügenkomplotte und die eigene schuldhafte Verstrickung. Im Tal von Elah besiegte David einst das Monster Goliath, indem er die eigene Angst besiegte. „Im Tal von Elah“ ist auch ein Film über die Krise der Männlichkeit. Die gewaltsame Unterdrückung der Angst gebiert die schlimmsten Monster. Das begreift Hank anhand von Mikes hitzebeschädigten Handyvideos mit halb zerstörten Sequenzen von sinnlosen Einsätzen und Misshandlungen des Feindes. Keine Beweise für Verrohung und Perversion, nur Pixel, Fetzen und Rauschen. Ein deutlicheres Bild, sagt der Film, kriegen wir nicht. Wir würden es auch nicht ertragen. Der Irakkrieg als Psychokrimi. Christiane Peitz

„Im Tal von Elah“, USA 2007, 124 Min.,

R: Paul Haggis, D: Tommy Lee Jones, Charlize

Theron, Susan Sarandon

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