DRAMA„Invictus – Unbezwungen“ : Kloppen für die Versöhnung

Junge, weiße Männer in gestreiften Trikots trainieren auf einem Rugby-Feld. Auf der anderen Seite der Straße laufen schwarze Jungs in zerlumpten Klamotten hinter einem Fußball her. Als sich Autos nähern, rennen die Kids zum Zaun und rufen: „Mandela, Mandela!“ Die Weißen schauen ebenfalls zur Straße – ängstlich. Der Trainer knurrt: „Das ist der Tag an dem unser Land vor die Hunde geht.“ Es der 11. Februar 1990. Nelson Mandela ist gerade aus der Haft entlassen worden.

Mit diesem historischen Tag beginnt „Invictus“, und Regisseur Clint Eastwood gelingt es durch die genial-einfache Einstellung an der Straße, die Stimmung dieses Tages zu vermitteln und elegant in sein Thema einzuführen. Denn neben den gemischten Gefühlen zum Ende der Apartheid zeigt sie, dass auch der Sport in Südafrika eine streng nach Rassen getrennte Angelegenheit war. Die Schwarzen hassten Rugby, ganz besonders die Nationalmannschaft, genannt „Springboks“.

Für die 1995 in Südfrika ausgetragene Rugby- WM interessierten sich zunächst praktisch nur Weiße. Hier erkannte Mandela, der seit einem Jahr Präsident des Landes war, eine einmalige Chance für seine Politik der Versöhnung. Gegen den Willen seiner Berater lässt er die Springboks nicht verbieten, sondern wird selbst ihr größter Fan. Er lädt Mannschaftskapitän François Pinaar zu sich ein und beeindruckt ihn so sehr, dass der Spieler sich fortan bemüht, nicht nur auf dem Platz ein Vorbild zu sein.

Eastwood inszeniert diese wahre Geschichte mit der Routine eines Altmeisters, drückt dabei aber oft arg auf die Pathos-Tube. Das titelgebende Gedicht etwa lädt er auf enervierende Weise mit Bedeutung auf. Hübsch ist dagegen die Nebenhandlung, in der Mandelas weiße und schwarze Leibwächter das Prinzip Regenbogennation erproben dürfen.

Morgan Freeman (Foto, links), der bereits zum dritten Mal in einem Eastwood-Film mitspielt, verkörpert die ANC-Legende mit geradezu beängstigender Ähnlichkeit. Er darf eine bewegende Ansprache nach der anderen halten und vermittelt tatsächlich eine Ahnung davon, was für ein außerordentlich weiser Präsident der Friedensnobelpreisträger war. Leider drängt sich auch der Vergleich mit seinen Nachfolgern Mbeki und Zuma auf, die nicht mal halb so viel Format haben wie Mandela.

Wem die Rugby-Szenen gefallen: Gerade läuft das Six Nations Turnier mit den besten Teams der Welt. Bewegend bis kitschig. Nadine Lange

„Invictus“, USA 2009, 133 Min., R: Clint Eastwood, D: Morgan Freeman, Matt Damon

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