DRAMA„My Name Is Khan“ : Ich bin kein Terrorist

Sie sind das Traumpaar von Bollywood: Shah Rukh Khan und Kajol. Für „My Name Is Khan“ vereinte Regisseur Karan Johar die beiden wieder vor der Kamera. So entstand ein ungewöhnlicher Film. Shah Rukh Khan spielt Rizvan Khan, einen indischen Muslim mit Asperger-Syndrom. Rizvan folgt seinem Bruder in die USA. Er arbeitet als Vertreter für Kosmetikprodukte und verliebt sich in Mandira (Kajol). Doch das Glück hält nicht lange: Nach den Anschlägen auf das World Trade Center macht sich in den USA Fremdenangst breit. Die Familie zerbricht und Rizvan macht sich auf eine lange Reise. Er will den Präsidenten treffen und ihm sagen: Mein Name ist Khan und ich bin kein Terrorist.

Hauptdarsteller Shah Rukh Khan hat mehr mit seiner Figur gemeinsam als nur den Namen. Wie Rizvan, so heißt es, bekam auch er Probleme, weil er einen islamischen Namen trägt. Die Angst des Westens vor dem Muslim, darum geht es in „My Name Is Khan“. Ein bisschen „Forrest Gump“, ein wenig „Rain Man“, dazu der indische Superstar auf einem Roadtrip durch die Staaten – doch „Khan“ gehorcht weitgehend den Regeln des indischen Kinos. Es beginnt mit den Vor-, Familien- und Liebesgeschichten, und das ist alles hübsch erzählt. Doch ab der Mitte des Films folgt das Drama und von hier an läuft alles aus dem Ruder. Zur Liebes- und Familiengeschichte, zu Bruderzwist und religiösen Differenzen mischen sich Rassismus, Politik, eine Terrorverschwörung, der Sturm Katrina und noch einiges andere. In diesen Film, so scheint es, musste alles irgendwie reinpassen.

Regisseur Karan Johar, Sohn des großen Produzenten Yash Johar, hat sich nach seinem internationalen Großerfolg „Kabhi Khushi Kabhie Gham“ offenbar vorgenommen, das klassische Bollywood- Kino zu modernisieren. In „Kabhi Alvida Naa Kehna“ erzählte er 2006 ungewöhnlich realistisch von Ehebruch und Scheidung. Das Problem ist: Die Zutaten für ein modernes Stück Gefühlskino sind da, doch es fügt sich nicht recht zusammen. Die perfekte Mischung aus Komik, Tragödie, Musik und allerlei Nebenhandlungen, die das indische Kino in seinen besten Momenten ausmacht, die will nicht gelingen. „Khan“ ist kein wohldosiertes Masala, sondern ein vollgestopfter Mischmasch – vor allem zu seinem Ende hin. Dass die internationale Version des Films um fast 40 Minuten gekürzt wurde, ändert nicht viel daran. Schade. Denn die erste Stunde ist sehr gelungen. Überambitioniert. Sebastian Handke

„My Name Is Khan“ , Indien/USA 2010, 128 Min., R: Karan Johar D: Shah Rukh Khan, Kajol

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