DRAMA„The Messenger – Die letzte Nachricht“ : Der Tod klingelt an der Tür

Karl Hafner
Foto: Senator
Foto: Senator

Der Krieg im Irak ist in den Vereinigten Staaten angekommen. Die Zahl der Toten in den eigenen Reihen lässt sich nicht mehr schönreden. Die beiden Soldaten Will Montgomery (Ben Foster) und Tony Stone (Woody Harrelson) haben die undankbare Aufgabe, Familienmitglieder gefallener Soldaten über den Tod ihrer Angehörigen zu unterrichten. Mit militärischer Präzision soll das geschehen, nach vorgegebenem Protokoll, ohne viele Worte, zackig und effektiv. Dafür gibt es genau ausgearbeitete Verhaltensregeln, die den Soldaten helfen sollen, diesen traurigsten aller Jobs zu erledigen. Die wichtigste Regel: keine Nähe zulassen, keinen phyischen Kontakt. Ein unsagbares Drama spielt sich in diesem Moment, in dem die Hoffnungen ganzer Leben zusammenbrechen, natürlich trotzdem jedes Mal wieder ab.

„The Messenger – Die letzte Nachricht“ ist das mehrfach ausgezeichnete Regiedebüt von Oren Moverman, der sich bisher vor allem einen Namen als Drehbuchautor gemacht und selbst in der israelischen Armee gedient hat. Sein Film braucht keine Kampfhandlungen, um die zerstörerischen Auswirkungen eines Krieges zu beschreiben. Er setzt dort an, wo die meisten anderen Werke des Genres bereits den Abspann zeigen: im Danach, wieder zu Hause. Unterschwellig weiß jeder Bescheid über die Realität, doch sprechen will niemand. Das Leben geht weiter – solange der Tod nur an der Nachbarstür klingelt. Im Zentrum des Films steht die Beziehung zwischen den beiden Soldaten, die auf den ersten Blick sehr unterschiedlich sind. Nach anfänglichen Meinungsverschiedenheiten über das richtige Vorgehen werden die beiden Freunde. Schließlich kennt außer dem Kollegen niemand das Elend dieser Aufgabe, weil man über solche Gefühlsduseleien als Soldat sowieso besser nicht spricht und der andere sich zumindest vorstellen kann, wie es einem damit geht.

Der Film zeigt in beeindruckend präzisen Szenen das alltägliche Leben der beiden und ihren Versuch, mit der dauernden Präsenz des Todes umzugehen. Auch ein militärischer Verhaltenskodex schützt nicht vor Liebe, doch die Traumata, die ein solcher Krieg hinterlässt, durchziehen alle Lebenslagen und hinterlassen ihren Eindruck in der ganzen Gesellschaft. Davon erzählt dieser hervorragende Film anhand von Einzelschicksalen ohne albernes Heldentum und lästige Pädagogik in behutsamer und absolut glaubwürdiger Weise. Stark. Karl Hafner

„The Messenger“, USA 2009, 105 Min.,

R: Oren Moverman, D: Ben Foster, Woody

Harrelson, Samantha Morton

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar