Zeitung Heute : Draußen feiern

Wie ein Partygänger Berlin erleben kann

Daniel Haaksman

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Kai-Uwe Heinrich

Sagen Sie, waren Sie letztes Wochenende aus? Ist Ihnen dabei aufgefallen, dass die Stadt nach Einbruch der Dunkelheit wie ausgestorben war? Dort, wo gegen zwei Uhr sonst Bürgersteige vor Menschen überquellen, oder sich lange Schlange bilden: gähnende Leere. Selbst der neu eröffnete Club „Paradies“ hinter dem Bezirksamt Mitte in einem alten Supermarkt, war nur mäßig gefüllt. Und das bei DJ Namen wie Daniel Meteo oder Barbara Preisinger! Aber wahrscheinlich war es wieder einmal das viel zu gute Wetter, das die Berliner Partygänger davon abhielt, sich freiwillig in geschlossenen Räumen oder den Brennpunkten des Nachtlebens aufzuhalten. Warum auch? Bis spät im Park oder am See herumhängen ist eben einfach die bessere Alternative, wenn es draußen so warm ist. Das „Paradies“ aber trotzdem merken, denn für die neue Herbst-Saison hat es die besten Chancen, die neue Tanz-Hölle zu werden.

Damit Sie aber bis zum Herbst nicht vergessen haben, zu was man dieser Tage in den Clubs tanzt, möchte ich Ihnen heute ein paar CD-Tipps geben. Damit sie die an ihren Club-Substituten hören können.

Zunächst einmal die Neptunes. Das ist ein amerikanisches Produzenten-Duo, das in den letzten drei, vier Jahren einen Teil der schönsten Hip Hop- und R’n’B-Hits der Welt produziert hat. „Baby I Got Your Money“ von Ol’Dirty Bastard zum Beispiel oder „Hot In Herre“ von Nelly, ein paar Stücke von Justin Timberlake’s letzter LP, den diesjährigen Frühjahrs-Hit „Beautiful“ von Snoop Doggy Dogg, oder den aktuellen Sommer-Schmuse-Hit „Frontin“, bei dem einer der Neptunes, Pharell Williams, zusammen mit dem Rapper Jay-Z singt. Pharell singt mit einer sehr prägnanten Falsett-Stimme, ein bisschen so wie die Soul-Legende Curtis Mayfield. Und nun bringt er mit den Neptunes ein Album heraus, das sich „The Neptunes present The Clones“ nennt. Darauf kann man dann den Sommerhit „Frontin’“ hören, und einige andere Stücke von Künstlern, die von den Neptunes produziert werden. Seelenvoll, funky, rockend und sexy zugleich, genau das, was man von guter Sommermusik verlangt.

Wenn Sie für Ihre Open-Air-Aktivitäten Musik mögen, die mehr in die Füße geht als in den Kopf, aber genauso gute Laune macht, dann sollten Sie unbedingt „Saturday Night Life 2“ von den Londoner DJs The Idjut Boys hören. Hier geht es um House-Music und seine Wurzeln, die ja bekannterweise in der Disco-Ära lagen, aber vor allem um die Magie, die eine Samstagnacht auf der Tanzfläche haben kann, wenn die DJs die richtige Musik spielen. Ein perfekter Mix, auch wenn Sie die glatte Tanzfläche morgen Abend gegen beweglichen Sand oder piekenden Waldboden vertauschen. Die CD der Idjut Boys wird garantiert dafür sorgen, dass Sie zu einer Mischung aus englischem Humor, Deep House und Disco-Obskuritäten, Dub-Beats und Italo-House überall ihre blanken Füße bewegen. Und nächste Woche gibt es dann wieder Ausgeh-Tipps für die Berliner Clubs – versprochen!

„The Neptunes present Clones“ ist auf Star Trak/Arista erschienen.

„Saturday Night Life 2“ bei Glasgow Underground/Zomba.

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