Zeitung Heute : Drei Männer, ein Kulturkonzern

Der Tagesspiegel

Kulturelle Vielfalt, künstlerische Grenzüberschreitungen - wer wäre dagegen?Nur ist so etwas immer leichter zu fordern als zu machen, und deshalb bleiben die Schubladen meist säuberlich sortiert. Oft sind es Außenseiter, die frischen Wind in die Szene blasen, und ein solcher ist Stuart Pigott, der britische, seit Jahren in Berlin lebende Wein-Autor. Er hat sich mit dem amerikanischen John McNabb und dem deutschen Filmemacher Julian Benedikt zusammengetan, um den „ Eckkonzern“zu gründen, eine Art „Think Tank“ für neue Ideen kultureller Art im weitesten Sinn. Die erste Tat der Konzernlenker ist dennoch von eher konventionellem Zuschnitt, eine Ausstellung der großformatigen Berlin- Fotografien des Berliner Künstlers Vuk-Dieter Karadzic - menschenleere, zwischen melancholischer Heiterkeit und bedrohlichen Perspektiven wechselnde Bilder aus der Stadtmitte, die mit ganz kleiner Ausrüstung ohne künstliches Licht entstanden sind, Brücken, Gebäude, Autos, mehrschichtige Spiegelungen, viel Abendsonne. Der karge Raum im 3. Stockwerk des „mediacentre“ in der Johannisstraße 20, angesiedelt zwischen dem Friedrichstadtpalast und dem Niemandsland hinter dem „Tacheles“, zwischen Trümmern, DDR-Moderne und neuem Berlin, ist der richtige Ort für Karadzics Bilder:sie könnten fast beim Blick aus dem Fenster entstanden sein. Pigott selbst, gerade zurück von einer sechswöchigen Weinreise nach Neuseeland und Australien, ließ zur Vernissage hervorragenden Wein servieren und bestritt alle Vermutungen über einen Berufswechsel;als Galerist, bewahre, wolle wolle er sich nun aber doch nicht verstehen. (Bis 29. März, mittwochs bis freitags 12-18 Uhr.) bm

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben