Zeitung Heute : Drei oder keiner

Warum Polens Verteidigungsminister um Deutschland als Partner wirbt – und wie das in seinem Land ankommt

Thomas Roser[Warschau]

Polen hat die Hoffnung nicht aufgegeben, Nato-Partner Deutschland für die multinationale Stabilisierungstruppe im Irak gewinnen zu können. An der Weichsel regt sich aber auch Unmut über Kritik der Nachbarn.

Unmittelbar nach seiner Rückkehr aus den USA bekräftige Polens Verteidigungsminister Jerzy Szmajdzinski am Dienstag seinen in Washington präsentierten Vorschlag. Er halte es für möglich, dass deutsche und dänische Truppen die Polen bei der Verwaltung des „polnischen Stabilisierungssektors“ im Irak unterstützen könnten, sagte der Sozialdemokrat. Wie bei dem von den drei Staaten gemeinsamen betriebenen „Multinationalen Korps Nordost“ (MNCNE) im nordpolnischen Stettin (Szczecin), könnte das anfänglich polnische Kommando über die Truppe rotieren: Auf diese Weise wäre es denkbar, dass zu einem späteren Zeitpunkt deutsche Offiziere die multilaterale Brigade in der polnischen Zone kommandieren könnten.

Eine starke Truppe

Bereits vor Polens Nato-Beitritt hatten die Verteidigungsminister der drei Staaten 1997 die Schaffung des multinationalen Korps beschlossen, das im Herbst 1999 seine Arbeit aufnahm. 150 dänische, deutsche und polnische Stabsoffiziere erarbeiten seitdem in den Stettiner „Baltic Barracks“ gemeinsam Manöver-, Krisen- und Einsatzpläne für rund 50000 Soldaten der drei rund um die Ostsee stationierten Divisionen der beteiligten Staaten. Gedacht ist die englischsprachige Einheit vor allem dafür, Polens Nachwuchsoffiziere mit dem Nato-Alltag vertraut zu machen. Der deutsche General Rolf Schneider betonte am Dienstag im polnischen Rundfunk, dass über einen möglichen Einsatz des Korps im Irak nicht nur einer, sondern nur alle der drei beteiligten Staaten entscheiden könnten.

Nach der herben Kritik der beiden EU-Partner am „polnischen Sonderweg“ scheint Warschau unmittelbar vor dem Gipfeltreffen des so genannten Weimarer Dreiecks mit Deutschland und Frankreich um eine Wiederannäherung an Berlin bemüht.

Die polnische Teilnahme an der Verwaltung des Irak müsse so gestaltet werden, dass es keinen Zweifel daran gebe, dass sie der Stärkung des transatlantischen Bündnisses diene, und nicht dazu, ein Land gegen das andere auszuspielen, forderte Adam Michnik, der Chefredakteur der einflussreichen „Gazeta Wyborcza“ am Dienstag in seinem Leitartikel: „Man kann den Krieg gewinnen, doch den Frieden verlieren. Wir brauchen Amerika für unsere Sicherheit – und Europa für unsere Zukunft.“ Andere Zeitungen reagierten auf die geharnischte Presse-Schelte aus Frankreich und vor allem Deutschland wesentlich gereizter. „Die arroganten Kommentare deutscher Gazetten und Politiker haben nur zum Ziel, uns zu zeigen, wo unser Platz ist“, ärgerte sich die Kolumnistin der bürgerlichen „Rzeszpospolita“: „Doch es ist nicht unsere Schuld, dass die EU in zwei Lager zerfallen ist.“ Noch erzürnter ging am Dienstag das Boulevardblatt „Superexpress“ mit den künftigen EU-Partnern ins Gericht. „Deutsche und Franzosen: Lasst die Polen in Ruhe!“, titelte es in dicken Lettern: „Bei der Frage des Kriegs hatten wir Recht – ihr braucht uns nicht zu lehren, was wir im Irak zu tun haben.“

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!