DREIFACH-PREMIERE„Faust I“, „Satanische Verse“ und „Der Zufriedene“ : Metamorphosen

Antje Horn-Conrad

Ein Terroranschlag setzt ihrem Leben ein Ende. Die Maschine, die den beiden Exil-Indern Gibril und Saladin fliegende Wechsel zwischen den Kulturen ermöglichte, explodiert. Beide Männer aber existieren weiter: Gibril als Engel, Saladin als Satan. Wie sie sich durch die moderne und die archaische Welt bewegen, hat Salman Rushdie in seinen „Satanischen Versen“ beschrieben. Erstmals ist sein Roman jetzt als Bühnenstück zu sehen. In der Uraufführung im Hans Otto Theater spielen Tobias Rott den Saladin und Robert Gallinowski den Gibril (Abb.). Regisseur Uwe Eric Laufenberg und Marcus Mislin haben vor dem Hintergrund zunehmender Terrorangst eine szenische Fassung geschrieben. Schauplätze sind die Metropolen London und Bombay sowie die arabische Stadt Jahilia, ein Traumgebilde, in dem eine neue Weltreligion entsteht.

Metamorphosen, wie sie Gibril und Saladin durchleben, hat das Potsdamer Theater als dramaturgische Klammer benutzt, mit der es Rushdies „Satanische Verse“, Goethes „Faust – der Tragödie erster Teil“ und die Uraufführung von Katharina Schlenders neuem Stück „Der Zufriedene“ an einem Premierenwochenende zusammenfasst. Während in Laufenbergs „Faust“-Inszenierung der Gelehrte in Mephisto sein anderes „Ich“ erfährt, die verborgene Seite seiner Natur, aus der er verjüngt hervorgeht, beschreibt Katharina Schlender die Verweigerung einer Verwandlung. „Der Zufriedene“ ist ein Langzeitarbeitsloser, der es ablehnt, sich an die Leistungsgesellschaft anzupassen. Antje Horn-Conrad

Hans Otto Theater, Sa 29.3., 19.30 Uhr (Faust I), So 30.3., 15 Uhr (Satanische Verse), So 30.3., 21 Uhr (Der Zufriedene), 10-29 €

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben