Zeitung Heute : Dritte Klasse

Der Tagesspiegel

Die Bundesregierung hat schon vor geraumer Zeit entschieden, wie sich die Bahn der Zukunft präsentieren soll. Nicht mehr als vom Staat subventioniertes Unternehmen mit durchgehend günstigen Tarifen soll sie auftreten, sondern als marktwirtschaftlich geführter Betrieb, der für seine Leistungen auch hohe Preise fordert, wenn diese durchsetzbar sind. Das neue Preissystem der Bahn trägt dem Rechnung. Wo man auf den teuren Neubaustrecken künftig schneller vorankommt als mit dem Flugzeug, werden die Tickets deutlich teurer. Wer billiger fahren will, kann das, quasi nach Voranmeldung, außerhalb der Spitzenzeiten und oft auf den alten Bahnstrecken haben. Ein Zwei-Klassen-System hat die Bahn schon seit Jahrzehnten gehabt, aber dabei kamen alle zur gleichen Zeit an, wie viel sie auch für ihre Karten bezahlt hatten. Das soll also künftig anders sein. Das Gleichheitsprinzip wird durch ein elitäres abgelöst: Wer zahlt, schafft an. Deswegen die Bahn zu beschimpfen, wäre jedoch absurd – wir haben es ja so haben wollen. Aber keine Sorge, der Bahnvorstand wird merken, dass man Märkte auch über den Preis bewegen kann. Ein Blick zur fliegenden Konkurrenz zeigt gerade in diesen Tagen, wie schnell sich die Verhältnisse ändern können. apz

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