Zeitung Heute : Drogendealer im Netz

Das Internet kann süchtig machen - süchtig nach Chats mit Unbekannten, süchtig nach Informationen und süchtig nach Drogen. Letzteres fanden Redakteure des Computermagazins "Tomorrow" heraus. In ihrer aktuellen Ausgabe stellen sie unter anderem sieben Substanzen vor, denen Ärzte eindeutig "psychotrope", also bewußtseinsverändernde Wirkung bescheinigten. Diese Substanzen konnten sie problemlos aus dem Internet bestellen.Im Netz finden sich zahlreiche Tips zum Anbau von Hanf und zur Aufzucht von Pilzen, die Halluzinationen hervorrufen. Doch damit nicht genug: nach sorgfältigerem Hinsehen findet der Suchende auch jene Webseiten, auf denen - etwas versteckt - Stechapfel, Hanf und selbst das starke Narkosemittel Ketamin zum Kauf angeboten werden. Mit scheinbar seriös wirkenden Bestellformularen kann der Käufer die exotischsten Suchtmittel erwerben - bezahlt wird per Kreditkarte.So erlangt der Kunde Fliegenpilze oder Peyote-Kakteen, die Wahnvorstellungen auslösen. Unter dem Deckmantel "Heilpflanzen" oder "Anschauungsmaterial" bieten die Vertreiber die Drogen an, Bezeichnungen wie "magische Pflanzen" oder "Zauberpilze" verbergen die handfesteren Begriffe.Die zuständigen Behörden üben sich bei dem Thema noch in Zurückhaltung, so die Tomorrow-Recherchen. Der Welt-Drogen-Report der Vereinten Nationen bestätige zwar: "Drogen werden ganz offen im Internet verkauft." Doch eine Lösung des Problems scheint noch nicht in Sicht. "Man wisse um das Problem, wolle sich aber nicht äußern, um niemanden aufmerksam zu machen", erklärte die Internet-Spezialtruppe der Münchener Polizei gegenüber der Zeitschrift.Für das Bundeskriminalamt in Wiesbaden sei die Rechtslage eindeutig und das Internet "keine rechtsfreie Zone", wie BKA-Spezialist Kappler gegenüber Tomorrow sagte. Es gelten die bestehenden Rechtsnormen. Allerdings gestaltet sich die Suche nach Drogendealern im Netz als schwierig.

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