Drogenprävention : Helmpflicht am Mittagstisch!

Helmut Schümann

Es gibt bald keine Panini-Bildchen mehr, nur noch alte. Das ist einerseits eine traurige Nachricht. Andererseits ist es auch eine gute Nachricht. Wer einmal Panini-Bildchen gesammelt hat, also alle, weiß, dass das kein kindliches Hobby ist, sondern Sucht. Für Süchte ist hierzulande Sabine Bätzing zuständig, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Sie erledigt ihre Aufgabe sehr gewissenhaft und sehr gründlich und fordert im Wochenrhythmus allerlei Verbote. In der Sache kennt sie sich bestens aus, nachdem, wie sie kürzlich kleinlaut eingestehen musste, sie auch mal einen Rausch gehabt hat, ja, sogar betrunken war. Es war ihr am anderen Tag aber total peinlich. Man kann aus der Anekdote ablesen, wie gefährlich das Sammeln von Panini-Fußballbildchen ist, weil man naturgemäß nicht mal nur ein Bild sammelt, sozusagen als peinlichen Ausrutscher, als kindliches Sich-Ausprobieren, nein, man sammelt manisch, immer mehr Bilder müssen es sein. Und wenn das Album voll ist, ist die Sucht noch lange nicht satt, weil dann das nächste Album voll werden muss. Und immer so weiter.

Es wäre also nur noch eine Frage der Zeit gewesen, dass Frau Bätzing die schändlichen und schädlichen Bildchen in ihren Drogenbericht aufgenommen hätte und das Sammeln in ihren Verbotskatalog. Das ist nicht mehr nötig.

Gerechterweise sei erwähnt, dass Frau Bätzing nicht in die Riege der Menschen gehört, die jedes gesellschaftliche Problem mit Verboten lösen will. Jugendliche spielen zu viel am Computer? Verbot von Computerspielen! Jugendliche trinken sich ins Koma? Verbot von Alkohol in der Öffentlichkeit! Menschen rauchen? Verbieten! Menschen? Regulieren, und wenn das nicht hilft, verbieten! Das stammt zwar fast alles auch von Frau Bätzing, die von sich sagt, dass sie nur fürsorglich sein will und keine Spaßbremse. Frau Bätzing hat indes noch mehr Ideen. Gestern forderte sie die Einführung eines Schulfaches für mehr Lebenskompetenz, Stressbewältigung, Alkoholvorbeugung und gesunde Ernährung. Man nennt das auch Bildungsoffensive. Wahrscheinlich kommt bald noch die Helmpflicht am Mittagstisch. Was nun die Panini-Bildchen angeht, sie sind noch nicht ganz weg. Die Bundesliga hat nur einen anderen Fußball-Bildchenhersteller gefunden, der nicht Panini heißt. Die Sammelsucht hat kein Ende. Der Staat, insbesondere seine Drogenbeauftragte Sabine Bätzing, sollte regulierend eingreifen.Helmut Schümann

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