Zeitung Heute : Druck auf Bundesbank im Fall Sarrazin

Berlin - Die Bundesbank gerät in der Debatte um ihr Vorstandsmitglied Thilo Sarrazin (SPD) und dessen Thesen zur Integration unter Druck. Grüne und Linkspartei forderten die Bundesbank am Dienstag auf, die Abberufung Sarrazins von seinem Vorstandsposten in die Wege zu leiten. Ein Gespräch zwischen Bankpräsident Axel Weber und dem früheren Berliner Finanzsenator sollte noch am Dienstag, spätestens Mittwoch stattfinden, hieß es. In scharfer Form hatte sich die Bundesbank bereits am Dienstag von den Äußerungen Sarrazins distanziert. Ein Antrag auf Abberufung ihres Vorstandsmitglieds scheint deshalb nicht mehr ausgeschlossen. Darüber müsste dann Bundespräsident Christian Wulff entscheiden. Mit einem Rücktritt Sarrazins wird nicht gerechnet. Seine Amtszeit begann im Mai 2009 und endet regulär 2014. Im vergangenen Jahr erhielt er für acht Monate Vorstandstätigkeit rund 155 000 Euro.

Sarrazin hatte mit Äußerungen zur Integration und genetischen Disposition bestimmter Bevölkerungsgruppen in Verbindung mit Intelligenz Empörung ausgelöst – auch in der eigenen Partei. Der Bundesvorstand hatte am Montag beschlossen, ein Parteiausschlussverfahren einzuleiten. In der SPD gibt es auch Gegner dieser Entscheidung. Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, sagte dem Tagesspiegel, man dürfe „keinen Märtyrer aus Sarrazin machen“.

Eine in Hildesheim geplante Lesung mit Sarrazin wurde aus Sicherheitsgründen abgesagt. Auch das Haus der Kulturen der Welt in Berlin habe mitgeteilt, Sarrazin am 25. September nicht zu Gast haben zu wollen, sagte eine Sprecherin der Deutschen Verlagsanstalt (DVA), in der Sarrazins Buch erscheint.

Neue Nahrung erhielt die Debatte über Migration und Ausländer durch eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Forschungszentrums Berlin-Brandenburg. Demnach stimmen 72 Prozent der Deutschen der Aussage zu, es gäbe in Deutschland „zu viele Ausländer“ und „ihre Zahl“ müsse „in den nächsten Jahren reduziert werden“. 73 Prozent fordern, Ausländer sollten sich hiesigen Gegebenheiten mehr anpassen. 83 Prozent der 2090 Befragten glauben, dass „Ausländer viele soziale Probleme verschärfen“. asi/sib/elsi/epd

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