Dschungelcamp : Langhans und der Kapitalismus

Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.
Stark am Glas: Tagesspiegel-Kolumnist Helmut Schümann.Foto: Tagesspiegel

Da die Leser dieser Zeitung kein RTL empfangen können und, selbst wenn, das „Dschungelcamp“ nicht anschauen, eine Vorabinformation. Rainer Langhans, der alte Kommunarde, ist nicht mehr im Camp. Wenn man das „Dschungelcamp“ anschauen würde, dieses ekelige Unterschichtenfernsehen, könnte man ihn nicht mehr sehen. Das ist eigentlich schade. Denn Langhans war, so versichern diejenigen, die diesen Mist anschauen, sehr ausgleichend unterwegs und versöhnte sogar Generationen. Wie das? So: Der weitläufigen Meinung nach, besonders der der jüngeren Menschen, sind Altachtundsechziger verbiesterte Menschen, genussfeindlich sind sie auch, des Weiteren haben sie ihre Ideale vergessen, als sie beim Marsch durch die Institutionen Karrieren machten, dogmatisch, oh ja, dogmatisch sind sie extrem, angespannt, verkopft und Ursache von allem, was uns heute drückt. Wetter, verlotterte Kinder, die katholische Kirche und unglückliche Kühe. Kurzum: Altachtundsechziger sind furchtbar uncool. Rainer Langhans, sagen die, die „Dschungelcamp“ anschauen, kam total cool rüber.

Als er noch im Camp weilte, war er, so heißt es, lässig, sogar gelassen, entspannt bis zum Gehtnichtmehr, irgendwie immer Herr der Situation, klug mit Anflügen von Weisheit und Selbstironie, also das genaue Gegenteil von zum Beispiel Guido Westerwelle. Damit hat Rainer Langhans der jüngeren Generation ein völlig neues Bild von Altachtundsechzig vermittelt. Die sollten ihm dafür danken und nicht, wie Uschi Obermaier, für die der Rainer einst jede Revolution verraten hätte, sich mokieren.

Nun zu dem, was auch wir seriösen Menschen wissen können, ohne diesen Schund anzuschauen. Zum Beispiel, dass Langhans früher mal bei den Jungen Pionieren war und später dann eine Offiziersausbildung bei der Bundeswehr absolvierte. Von deren Rente lebt er heute. Aber egal. Nicht egal, dass Rainer Langhans sich nun, außerhalb des Camps, erstmals die Bilder angesehen hat, die RTL aus dem Camp ausgestrahlt hat. Und jetzt ist er empört, man habe ihn gelinkt, sagt er, und seinen Aufenthalt im Dschungel total verkürzt wiedergegeben. Man sollte vielleicht noch erwähnen, dass Langhans die ungefähr letzten 40 Jahre damit verbracht hat, zu predigen, dass der Kapitalismus manipuliert. Jetzt war er im Camp und ist empört, dass der Kapitalismus manipuliert. So gesehen, hat sich für ihn die ganze Angelegenheit gelohnt. Aber jetzt schalten wir wieder zu Arte.Helmut Schümann

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