Zeitung Heute : Du bist auch, was du trinkst

fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin Heute: Eine Hitliste der Getränke

Hartmut Wewetzer

Was sollen wir trinken? Diese Menschheitsfrage stellt sich heute scheinbar ganz neu. Eine Flut von Designergetränken verspricht Gesundheit, Wohlbefinden und unbegrenzte Energie. Aber der Rat von Ernährungsexperten ist viel einfacher. Das beste Getränk ist und bleibt – Wasser. Zu dieser Erkenntnis hat sich eine Gruppe amerikanischer Fachleute durchgerungen. Unter Leitung von Barry Popkin von der Universität von North Carolina in Chapel Hill erarbeiteten die Forscher eine Richtlinie für den erwachsenen Verbraucher. Und die enthält manche handfeste Überraschung.

Der Bauch der täglichen Trinkkanne sollte also voller Wasser sein (aus Leitung oder Flasche), so viel ist klar. Aber was darf man dazukippen? An zweiter Stelle stehen Tee und Kaffee, am besten ungesüßt. Tee ist gut für Herz, Knochen und Zähne. Kaffee senkt das Risiko für Typ-2-Diabetes (Alterszucker), Darmkrebs, Parkinson. Wer’s mit dem Kaffee nicht vollkommen übertreibt, hat für sein Herz keine bösen Folgen zu befürchten und der wird auch nicht entwässert, wie man lange annahm und wie es manchmal noch behauptet wird.

Milch ist nicht nur für Kinder eine gute Eiweiß- und Kalziumquelle. Deshalb verwundert es etwas, dass für die Experten fettarme oder entfettete Milch und Sojamilch erst auf Platz drei folgt. Eines ihrer Argumente lautet, dass selbst fettarme Milch dem Körpergewicht nicht eben zuträglich ist.

Auf Platz vier folgen mit Süßstoff gesüßte, praktisch kalorienfreie Getränke wie manche Tees und Light-Limonaden. Wer einen süßen Durstlöscher sucht, kann sich am ehesten hier bedienen.

Ein großes Sammelbecken von Getränken findet sich auf Platz fünf. Sie sind allesamt kalorienreich, haben aber auch einen gewissen Wert für die Ernährung. Das heißt: erlaubt, aber bitte nicht übertreiben. Zu ihnen gehören ungesüßte Fruchtsäfte, Vollmilch, Sportgetränke und Alkoholisches. Ja, auch ein (Frauen) oder zwei Bierchen (Männer) sind nach Ansicht der Forscher durchaus erlaubt. Ein Gläschen am Tag senkt das Risiko für Herzleiden, Schlaganfälle und vermutlich auch für den Typ-2-Diabetes. Der positive Effekt von Wein und Co. rührt wahrscheinlich vom Alkohol selbst. Behauptungen wie die, besonders Bordeaux oder Dunkelbier seien gesund, gehören eher ins Reich der Reklame und sind nicht eindeutig belegt.

Und nun zu den bösen Buben. Mit Zucker gesüßt, kalorienreich, ohne oder mit nur geringem Gehalt an gesunden Inhaltsstoffen. Einschlägig verdächtig sind Fruchtsaftgetränke, „normale“ Cola und andere Limonaden, Eistee und zunehmend stark gesüßte Fertiggetränke, etwa mit Kaffee – die Industrie ist erfinderisch. Diese Getränke sind kalorienreich, ohne satt zu machen. Sie begünstigen Zahnkaries, Gewichtszunahme und den Typ-2-Diabetes. Wenn auf der Verpackung unter Inhaltsstoffen schon „Zucker“ oder „Sirup“ angegeben sind, weiß man ziemlich genau, woran man ist. Meist gibt es ein Regal weiter eine Alternative. Vom Wasserhahn zu schweigen.

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