Zeitung Heute : Duftende Kletterkünstler

Waldreben schmücken Gartenlauben und Pergola.

Eine Prinzessin in voller Blüte: Die Clematis texensis ,Princess Diana’. Foto: Tassilo Wengel
Eine Prinzessin in voller Blüte: Die Clematis texensis ,Princess Diana’. Foto: Tassilo Wengel

Gartencenter und Baumschulen bieten in diesen Wochen unter anderem ein reichhaltiges Angebot an Waldreben (Clematis), die zu den attraktivsten Kletterpflanzen gehören. Am richtigen Standort gepflanzt, können sie sich zu üppigen Blühern entwickeln. Die Palette reicht von robusten Wildarten bis zu den sogenannten Großblumigen Hybriden.

Da es sich bei den Waldreben – von wenigen Ausnahmen abgesehen – um Kletterpflanzen handelt, eignen sich Gerüste oder Zäune als Kletterhilfen, auch an Pergolen oder offenen Gartenpavillons lassen sich Waldreben ausgezeichnet zur Geltung bringen. Sehr wirkungsvoll können üppig blühende Waldreben auch an Mauern und Pfeilern aus Ziegelsteinen sein. Pflanzt man sie an den Fuß von kleinkronigen Bäumen, dringen sie bald bis in die Krone vor, was ihrer natürlichen Wuchsart am nächsten kommt.

Wichtigste Voraussetzung für eine optimale Entwicklung der Pflanzen ist ein durchlässiger, nährstoffreicher und humushaltiger Boden, der leicht sauer bis leicht alkalisch sein kann. Außerdem ist eine ausreichende Bodenfeuchte nötig, ohne dass Staunässe vorhanden ist. Als Standort wählt man einen sonnigen bis halbschattigen Platz, der windgeschützt ist, wobei extreme Südlagen an Wänden zu meiden sind. Auch für Nordseiten oder unter Dachvorsprünge sind Waldreben nicht geeignet, weil sie dann wenig Blüten bilden.

Unabhängig vom Standort hebt man ein 30 mal 30 Zentimeter großes und 30 bis 40 Zentimeter tiefes Loch aus, das allerdings 30 bis 50 Zentimeter von einer Mauer, einer Wand oder einem Baum entfernt sein sollte. Den Aushub mischt man mit Komposterde, zwei Eimern Torfmull und zwei Handvoll Knochenmehl. Auf schweren Böden wie Lehm oder Ton wird etwas Sand hinzugefügt, auf sandigen Böden sollte dem Aushub außerdem etwas Lehm beigemischt werden, denn sehr trockene Böden behagen den Pflanzen nicht. Dann füllt man einen Teil der Mischung wieder so hoch ein, dass die Pflanzen ausreichend tief stehen. Waldreben sollten etwa eine Handbreit tiefer stehen, als sie vorher gestanden haben. Dadurch können die Pflanzen an der Basis weitere Wurzeln bilden, die sie zusätzlich ernähren und auch weniger anfällig gegenüber der gefürchteten Clematis-Krankheit machen. Nachdem das Pflanzloch gut mit Erde gefüllt wurde, ist anzugießen. Da Waldreben einen kühlen Fuß lieben, empfiehlt sich, davor ein Zwerggehölz oder eine attraktive Staude als Schattenspender zu pflanzen.

Der Schnitt der Waldreben richtet sich nach der Blütezeit. Man unterscheidet bei den Waldreben Frühblüher sowie Sommer- und Herbstblüher. Das gilt für die Wildarten ebenso wie für die großblumigen Hybriden.

Grundsätzlich gilt, dass Frühblüher wie die Sorten ,Lasurstern’ (blau), ,Nelly Moser’ (hellrosa, purpur gestreift), ,Miss Bateman’ (weiß) oder ,Dr. Ruppel’ (weißrosa mit purpurrosa Streifen) ihre Blüten an vorjährigen Seitentrieben bilden und deshalb erst nach der Blüte eingekürzt werden dürfen. Lediglich trockenes Holz kann im Frühjahr entfernt werden, wobei man genau hinschauen muss, ob trocken erscheinende Triebe nicht zaghaft mit dem Austrieb beginnen. Sommer- und Herbstblüher schneidet man im Frühjahr auf eine Höhe von etwa 60 Zentimeter zurück. Diese Sorten wie ,Ernest Markham’ (rot) oder ,Prins Hendrik’ (blau) bilden ihre Blüten an diesjährigen Sommertrieben und vertragen deshalb im Frühjahr kräftigen Rückschnitt. Das gilt auch für die Sorten der italienischen Waldrebe (Clematis viticella) zu denen neben den großblütigen ,Ville de Lyon’ (samtrot) und ,Lady Betty Balfour’ (purpurblau) zahlreiche reizvolle kleinblütige Sorten wie ,Abundance’ (weinrot), ,Alba- Luxurians’ (weiß), ,Kermesina’ (rot), ,Purpurea Plena’ (purpurblau, gefüllt) und ,Rubra’ (weinrot) gehören. Auch Sorten der Texas-Waldrebe (Clematis texensis) wie ,Etoile Rose’ (rosa), ,Gravetye’ (weinrot) und ,Princess Diana’ (rot und weiß) vertragen im Frühjahr einen Rückschnitt.

Wildarten benötigen in der Regel keinen Rückschnitt. Nur zu lange Triebe können nach der Blüte entfernt oder zu dichter Wuchs etwas gelichtet werden. Hierzu gehört die blau blühende Alpen-Waldrebe (Clematis alpina), die man am besten ungestört wachsen lässt und nur trockenes Holz entfernt. Auch die Bergwaldrebe (Clematis montana) benötigt keinen Schnitt. Neben der weißblütigen Art gibt es schöne rosa blühende Sorten wie ,Rubra’, ,Tetrarosa’ und andere. Dagegen können die beiden gelbblühenden Arten wie Mongolische Waldrebe (Clematis tangutica) und Orientalische Waldrebe (Clematis orientalis) nach der Blüte auch mal weit bis in das alte Holz zurückgeschnitten werden.

Schließlich soll auf eine staudig bis halbstrauchig wachsende Art hingewiesen werden, die nicht klettert, recht anspruchslos, aber kaum verbreitet ist. Es handelt sich um die Ganzblättrige Waldrebe (Clematis integrifolia), die von Juni bis August an etwa einen Meter hohen Trieben dunkelviolette oder blaue, manchmal auch weiße Blüten hervorbringt. Im Herbst schmückt sich die Pflanze noch mal, und dann mit einem reichen, fedrig, silbrig glänzendem Fruchtschmuck. Tassilo Wengel

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